Erdmännchen und Mondrakete – Meerkat Maantuig (Schlingel internationales Filmfestival)

Gideonette 

ist nur einer von unzähligen Vornamen der Tochter von Mathilda (Hanlé Barnard) und Gideon (Drikus Volschenk) de la Rey. Der Vater ist Pfarrer. 

Gideonette (Anchen du Plessis) ist überängstlich, trägt meist einen Helm, um sich zu schützen vor den Gefahren des Fluches, der über der Familie liegt; sie hat eine lange Liste mit mehreren hundert Gefahren-Positionen erstellt. Sie ist in diesem Film von Hanneke Schutte aus Südafrika die Icherzählerin. 

Gideonettes Ängstlichkeit wird evident bei einer Schultheateraufführung, wie ein zotteliges Untier seinen Auftritt hat. Dieses stellt ein Symbol für die Ängste des Menschen allgmein dar. 

Es scheint wirklich ein Fluch über der Familie zu liegen, Mutter ist alkoholkrank und will auf Entzug, nachdem der Vater gestorben ist. Für diese Zeit will die Mutter Gideonette bei ihren Eltern Ouma Koekie Joubert (Rika Sennett) und ihrem Opa Oupa Willem Joubert (Pierre van Pletzen) in deren abgeschiedenem Haus in einer Waldgegend unterbringen. 

Eine weitere Antiangstaktion von Gideonette ist das Pressen und Sammeln von Pflanzen in einem Herbarium, was andererseits wiederum ein Hinweis auf die massiven Lebensängste der Pubertierenden ist. Und wie ein Herbarium in der Art eines Poesiealbums in oft weich-versonnenen, ruhigen Bildern schildert die Regisseurin die Entwicklungen von Gideonette bei ihren Großeltern. 

Hier warten zwei Überraschungen auf sie. Auf die Fluchseite der Familie weist das von allen Beteiligten mitgespielte, fingierte, einäugige, blinde Hündchen Bingbing. 

Die größere Überraschung aber ist Bhubesi (Thembalethu Ntuli), ein stummer Junge, der ständig in einem Raumanzug unterwegs ist. Er ist der Sohn von Liena (Doctor Khasu-Nkatio), der Häushälterin von Gideonettes Großeltern. Die Annäherung der beiden ist der Vorgang, der Gideonette allmählich von ihren Ängsten befreit; vom Spuk und den dunklen Geheimnissen der Familie, die sich teils anhören wie eine Verschwörungstheorie, die andererseits wiederum abgetan werden als alberne Gruselgeschichte. 

Vielleicht ist Gideonette auch pubertätshalber sensibiliert auf diesen Fluch, denn Coming-of-Age und Todesnähe sind keine Begriffe ohne Affinität, dazu auch das Bild von der Badewanne, in der sich das Mädchen immer vorkommt wie in einem Sarg. Ein Bild, das kürzlich in Sommer 85 von Ozon verwendet wurde. 

Die Metamorphose des Erwachsenwerdens wird hier als weich-samtener Spuk hochsensibel auf die Leinwand gepinselt mit zauberhaftem Morbiditätseinschlag, ein leicht heiserer, bleicher Spuk. 

Über dem Eingang der Farm der Großeltern prangt der Schriftzug „Magic of Wisdom“. Vielleicht werden im Heranwachsenden auch enorme Ängste der Eltern gespiegelt. Dazu gibts Soft-Ice-Musik. 

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