Und täglich grüßt die Liebe – Long Story Short

yolo

Der deutsche Titel dieses australischen Filmes von Josh Lawson ist insofern irreführend, als der Protagonist Teddy (Rafe Spall) nicht in einer Zeitschlaufe gefangen ist wie im Film mit dem Murmeltier. 

Teddy lebt an der Zeit vorbei und kaum wacht er auf, ist schon wieder ein Jahr vorbei. Sicher, das kann auch ein einziger Alptraum sein zu dem Thema des Perfektionismus, der die Zeit nicht greifen kann, der den Augenblick nicht leben kann, der ein Prokrustinat ist mit dem Wort „später“ als häufigstem in seinem Wortschatz. 

Einmal ist Teddy sogar in der Zeit, an der Sylvesterparty, da schafft er es pünktlich, seine Freundin im roten Kleid von hinten zu erkennen und überraschend zu küssen, ganz schnell – erst nach dem Kuss bemerkt er, dass es nicht Becka ist, sondern Leanne (Zahra Newman), die das gleiche rote Kleid trägt. 

Der intensive Kuss hat Folgen, denn im Mund von Teddy bleiben Reste eines Nussriegels hängen – Teddy ist allergisch gegen Nüsse; nicht aber gegen Leanne. Zu ihr entwickelt sich ähnlich wie im Boulevard-Theaterstück „Nächstes Jahr gleiche Zeit“ eine furiose Geschichte, die Teddy praktisch verpennt und nur immer am Hochzeitstag aufwacht und überhaupt nicht begreift, dass schon wieder ein Jahr vorbei ist, dass er verheiratet ist und sogar ein Kind hat. 

Dass Teddy überhaupt heiratet, hat er einer grauen Frau von Symbolfigur zu verdanken, die er auf dem Friedhof trifft, auf welchem er Zwiesprache mit seinem verstorbenen Dad hält. Ein Friedhof erinnert einen vielleicht am deutlichsten an das Leben, an seine Vergänglichkeit, an die Unmöglichkeit, Zeit festhalten zu können, was ein Moment des Perfektionismus ist, das nicht Loslassen-Können. 

Der Originaltitel heißt Long Story Short, eine lange Kurzgeschichte, was Futter gibt für die Interpretation, dass es sich beim Film vor allem um einen langen Alptraum handelt, aus dem der Protagonist kaum mehr herausfindet; derweil er sich in die verschiedensten Typen verwandelt und sein Leben im Sekundentakt, resp. Jahrestakt vorbeirasen sieht.

Ein Satz, der auf dem Friedhof fällt: yolo: you only live once – pack den Moment, verschiebe nicht die Hochzeit, lebe im Heute. Und die Liebe spielt sicher eine erlösende Rolle. Das merkwürdigste Hochzeitsgeschenk aber ist eine leere, nicht etikettierte Blechdose, hm, nicht ganz leer vielleicht, ein stark symbolischer Geheimnisträger, erhalten von der symbolischen Frau auf dem Friedhof.

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