Homo Communis – Wir für Alle

Am profundesten und am präzisten bringt die Ärztin und Hebamme aus Venezuela das von Carmen Eckhardt in ihrem Film als Titel gestellte Thema auf den Punkt, den Zusammenhang zwischen Gemeinschaft, Leben, Geburt und Tod; einmal, dass der Geburt ein Tod vorausgeht, die Loslösung von der Mutter, und was Gemeinschaft ist, das zeigt sie wunderschön in ihrer sanft-weichen Schwangerschaftsgymnastik, in welcher Väter, Mütter und ungeborene Kinder im Mutterleib eine harmonische Einheit bilden. 

Das könnte direkt als ein starkes Symbol für den Menschen als Gemeinschaftwesen gelten, wenn ich denn den Titel des Filmes richtig interpretiere; denn der Film scheint den dramaturgisch-thematischen Faden nicht so klar aus dem Vlies herausgeholt zu haben, wie der Pater, der einen Faden spinnt, seine Arbeit kommentiert. 

Der Film fängt mit dem Schwangerschaftsturnen in Venezuela an und hört in einem deutschen Hospiz auf. Wobei mir das eher problematisch scheint, einen Menschen kurz vor dem Sterben als Dokumentarmaterial herzunehmen; auf jeden Fall steht im Abspann, dass besagte 99-jährige Maria bald nach den Filmaufnahmen gestorben sei; es muss ziemlich bald gewesen sein, so ist von der Sterbeszene her zu vermuten. 

Geburten im Film, im Kino, das gibt es längst; aber ist der Tod nicht eine viel privatere Sache, Geburt ist der Eintritt in die menschliche Gemeinschaft, der Tod der Austritt, hm. 

Zwischen Geburtsthema in Venezuela und dem Tod in Deutschland gibt es ein buntes Potpourri an Draufhalt- und Statement-Dokumentation in allerlei Organisationen, die mit dem Idealismus und dem Ehrenamt der Menschen rechnen, von Baumbesetzern im Hambacher Forst mit prominentem Greta-Besuch über eine Leichenbestatter- Kooperative in Venezuela, die gebrauchte Kassenzettelrollen zum Ausstaffieren der Särge benutzt. 

Der Film schaut hinein bei einem Treffen intellektueller Menschen, die sich ein Denknetz nennen, die die ‚Commons“ in die Gesellschaft einbringen wollen, was immer das auch bedeutet, sichtbar wird, dass sie offensichtlich gerne gemeinsam und gepflegt tafeln.

Konstantin Wecker singt gegen die Umweltzerstörung an, in Wuppertal gibt es eine Utopiastadt als Kultur- und Handwerkerort, wo jeder etwas beitragen kann, aber auch ein Reggae-Festival. Ein Rechenzentrum wird kurz besucht, das nach der Gemeinwohlökonomie zu handeln behauptet, eine solidarische Landwirtschaft präsentiert sich, ein Lehrbauernhof, in dem Kinder lernen, Kartoffeln zu pflanzen. 

Die venezolanische Großkooperative steht wie ein Vorbild da, die viel gegen die Armut im Lande erreicht. Farbe und Spannung bringt die musikalisch-kostümierte Begehung eines Tagebaus in Deutschland und die Polizei versucht das zu verhindern. 

Dass der Mensch Gemeinschaft sucht und braucht, ist nicht neu. Bei den hier vorgestellten Modellen spielt hauptsächlich der Traum von einer besseren Welt eine verbindende Kraft; also, dass die Menschen nicht nur Gemeinschaft wollen wie in x anderen Vereinen und Gruppierungen, sondern gezielt eine, die ökologisch verantwortlich denkt, gar utopisch. 

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