Living The Light – Robby Müller (Stream)

Die Unsichtbaren 

Kameramänner sind im Film die Unsichtbaren. Nicht die einzigen Unsichtbaren, aber die wichtigsten Unsichtbaren. Es gibt andere wichtige Unsichtbare, das sind die Regisseure. Aber die sind meist viel berühmter; kaum jemand, der einen Film wegen einem Kameramann anschaut, aber wenn Jim Jarmusch als Regisseur firmiert oder Wim Wenders, dann kann das ein Grund sein, ins Kino zu gehen.

Dabei wären diese beiden Regisseuren möglicherweise gar nicht so namhaft, wenn sie nicht den großartigen, kreativen Robby Müller als Kameramann gehabt hätten. 

Licht selber kann man nicht sehen, es wirkt nur in der Reflektion auf Gegenstände, das erklärt einer von Müllers Gaffern an einer Stelle und vielleicht spielt es für die von Müller bevorzugten Zwielicht-Stimmungen eine nicht zu vernachlässigende Rolle, dass er aus Holland kommt und eine Verwandtschaft zur großen holländischen Malerei nicht von der Hand zu weisen ist; in Holland kommen durch die Weite des Landes und das nahe Meer und die Wolken Lichtstimmungen ganz eigen zur Geltung. 

Im Zusammenhang mit dem Licht können auch Fachausdrücke fallen wie Exposure Value, wenn ein ehemaliger Oberbeleuchter von der raffinierten Installation von künstlichem Licht erzählt, oder es kann anekdotisch amüsant werden, wenn es Robby Müller in die gigantische Hollywood-Maschinerie verschlägt und er kurz vor dem Sonnenaufgangsdreh die stundenlang aufgebaute künstliche Beleuchtung für überflüssig erklärt. 

Daraus wird klar, dass ihm der kleine individuelle Film mit einem Auteur weit besser gelegen ist, bei dem sich zwei Kreative wie er viel Spontanes vorbehalten konnten und somit individuell blieben, unverkennbar. 

Der Film von Claire Pijman ist ein ganz persönlicher Nachruf auf den 2018 verstorbenen Kameramann mit berühmten Regisseuren als Talking Heads wie Wim Wenders, Jim Jarmusch, Lars von Trier, Barbet Schroeder oder von Verwandten und ehemaligen Mitarbeitern und auch Ausschnitte aus Interviews mit Müller selber. 

Die Dokumentaristin hatte Zugang zum privaten Filmmaterial von Müller, der in seinem rastlosen Leben aus dem Koffer meist eine Kamera, Film oder Foto, gerne auch Polaroid, in der Hand hatte, um die Hotelzimmer zu filmen, von Fahrzeugen aus seine jeweilige Umgebung; es gibt Making-of-Footage zu sehen und Ausschnitte aus den Filmen, darunter Kultfilme wie Paris-Texas oder Alice in den Städten. 

Dass der Film sehr persönlich ist, zeigt der immer wieder zwischen den Untertiteln eingesetzte Ruf: Camilla! – dass das Privatleben bei einem Leben ständig unterwegs leidet, das verwundert nicht weiter. 

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