Possessor

Kunst oder Herzblut?

Blutig geht es zu und her in diesem Film von Brandon Cronenberg. Doch die Kinoblutallergiker können beruhigt sein, es handelt sich ganz offensichtlich um Kunstblut, denn der Film gibt nicht vor naturwissenschaftlich oder realistisch zu sein. 

Das Kunstblut formt sich zum Teil seinen Weg zu eigenen symbolgeladenen Formen in einem Fall bei zwei Toten und es lässt sich auch Zeit, dass nicht der Ansatz natürlichen Entsetzens entstehen könnte. Hier ist das Design stärker als die Message und die faustsche Interpretation des besonderen Saftes. 

Wie überhaupt das Design eine der hervorragenden Stärken dieses Sci-Fi-Thrillers ist. Der Regisseur oder sein Team müssen Stunden und Tage damit verbracht haben, die exquisite und einmalige Ausstattung zusammenzutragen und die Kamera ist nicht mit weniger Auge für Design und wirkungsvolle Filmbilder gesegnet. 

Dieser exzeptionelle Zugriff auf aussagekräftige Bilder, gerne auch mit Details in Großaufnahme, gilt ebenso für die Exposition des Themas der Menschenmanipulation. Ein Frauenkopf von hinten oben. Eine vielfurchig eng angelegte Rastazopferei. Eine Hand tastet sich ran. Und schon kommt die erste Überraschung, nein, nicht die Frisur wird gerichtet, von senkrecht oben wird eine Infusionsnadel eingesteckt, dunkles Blut tropft. Klar kann das im Auge des Betrachters mannigfache Gefühle erregen, einfach, weil es so sachlich behauptet wird.

Die so behandelte Person wird in der nächsten Szene in einem todschicken, topeleganten Milieu eine unerwartete Tat begehen, einen Mord. 

Da Cronenberg das so schön und eingängig filmt, darf es wohl verraten werden, es sind die ersten Minuten und bieten allein so schon ein exklusives Seherlebnis. Das hört sich vielleicht etwas akademisch an. 

Eine Agentur hat Personen unter Vertrag, die sich andere Identitäten einträufeln lassen, um als diejenigen Auftragsmorde zu begehen an Personen, die mit den Identitätsspendern bekannt sind. Die Bezahlung ist gut. 

Die Hauptfigur ist Tasya Vos (Andrea Riseborough), die sich dieser Tortur unterzieht und sich bei ihrem Gatten Michael (Rossif Sutherland) und dem Sohn Ira (Gage Graham-Arbuthnot) immer wieder für Abwesenheiten wegen neuer Aufträge entschuldigen muss. 

Der Plot scheint mir herhalten zu müssen, um die Brüchigkeit, die Unzuverlässigkeit, die Instabilität von Sein und Identität zu bebildern, aber auch Ängste um die körperliche wie seeelische Unversehrtheit – wobei so eine Identitätsimplantation an Eingriff kaum zu überbieten sein dürfte. 

Das scheint das Faszinierende am Gesamtgemälde, das immer wieder von schnellen Flashs in Extremsituationen der Existenzproblematik auf die nicht wegzudiskutierende Virbrierspur von Sein und Nichtsein gebracht wird. 

Die Frage bleibt für mich, ob es ein Herzblutprojekt von Branden Cronenberg ist oder vorerst immerhin eine beachtliche Talentprobe auf höchstem Niveau, auf welchem selbstverständlich die Schauspieler nicht nur prima ausgesucht sondern auch pfleglichst behandelt werden.

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