Nomadland

Ein bitter-poetischer Western

Die Amazonen waren kämpferische Frauen, die sich nicht von den Herren unterdrücken lassen wollten. Bittere Pointe in diesem Film von Chloé Zhao nach dem Buch von Jessica Bruder ist die, dass die Hauptfigur Fern bei Amazon jobbt, zumindest anfänglich; eine kämpferische Frau. 

Zu erfahren ist, dass die Firma Empire, bei der sie und ihr verstorbener Mann gearbeitet hatten, in der Wirtschaftkrise geschlossen wurde. Fern arbeitet dann bei Amazon. Sie lebt in einem Wohnwagen. Sie kämpft sich auf ihre Weise als moderne Nomadin durchs Leben, immer haarscharf am amerikanischen Traum vorbei. 

Für den Film ergiebig ist so ein amerikanisches Roadmovie nicht erst seit Wim Wenders, das ist es seit den Frühzeiten des Kinos die Faszination der Weite der Landschaft, die Abwechslung vom Meer über die Prärie bis zu bizarren Felsgebilden. So ein moderner amerikanischer Nomade ist nicht allein. Viele sind unterwegs. 

Fern muss immer wieder jobben. Sie arbeitet auf einem Campingplatz. Wer auf dem Weg ist, trifft Menschen, manche auch immer wieder. Es gibt einen religiöse Gruppierung, die sich dieser Menschen annimmt, einen Prediger, der sich auch als Seelsorger sieht und am Lagerfeuer erzählen sich diese Menschen ihre Geschichten. 

Der Kontrast zwischen Alleinsein und unkomplizierter Begegnung erscheint auf eine Weise sogar wünschenswert; ideal. Die Freiheit der amerikanischen Pioniere wird angesprochen. Aber wenn eine größere Reparatur am Wohnwagen ansteht, dann muss Fern auf die Schwester zurückgreifen, sie anpumpen, die wohlbürgerlich wohnt. So zu leben wäre nichts für Fern; sie lehnt das Angebot ab. 

Francis McDorman, die auch als Mitproduzentin fungiert, spielt diese Frau von der Straße, die zwar meist bekümmert schaut, sorgenvoll, die aber nicht den Lebensmut verliert, die bescheiden bleibt. McDorman spielt das so überzeugend, dass man sich gar nicht vorstellen kann, einen Hollywood-Star vor sich zu haben, die vermutlich privat bestimmt angenehmer lebt. 

Chloé Zhao hat aus dem Film ein episches, beinah romantisches Soziodram gemacht; was besonders brisant wirkt, als Amazon hier reinfunkt; was auf den exorbitanten Reichtum von wenigen hinweist, die noch dazu die erfolgreichsten Steuervermeider sind und ihr Personal so schlecht wie möglich bezahlen. Das ist hier aber nur Hintergrundgeräusch, gibt dem Road-Trip eine Würze wie das Salz der Suppe, das man selber ja auch nicht sieht. 

Fern ist nicht nur armselig, sie hat Bildungsbackground, sie kann Querflöte spielen. Francis McDormand führt zwiespältig eine hochgelobte amerikanische Tradition fort – und wird dafür wiederum von der amerikanischen Filmindustrie mit deren höchsten Trophäe, dem Oscar, gleich mehrfach belohnt. 

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