Monster Hunter

Viele, viele

Monstereinfälle besiedeln diesen Film von Paul W. S, Anderson nach der Videospielserie von Kaname Fujioka. 

Man kann sich leicht vorstellen, wie jede Menge von Computeranimationsteams zusammengehockt sind, um mit enormem Spaß immer neue Monster und neue Aktivitäten von Monstern zu ersinnen und dann bildlich umzusetzen. Ein feuerspeiendes Drachenmonster, das spielend ein viermotoriges Großflugzeug mit seinen Klauen einfängt und durch die Luft schleudert. 

Klar, auch solche Torturen überleben Darsteller in Monsterfilmen, nicht alle. 

Die UN-Mannschaft, die anfangs in Jeeps eine Wüstenebene durchquert, ist bestens aufgelegt, so oft dürfte selten bei der UN gegrinst worden sein. Ob das der Einfluss des koproduzierenden Chinas ist, sei dahingestellt, die UN wirkt hier eher wie ein Vergnügungsverein, der ab und an mal ein bisschen ballert und auf Abenteuerfahrt geht. Außer er verirrt sich in diesen Film. Dann nämlich walzt plötzlich eine riesige, drohende Wolkenwand heran, die die Jeeps verschlingt. 

Die UN-Teams landen in einer „Neuen Welt“, wie so gern im Sci-Fi-Horrorgenre; wobei diese Neue Welt sich meist dadurch auszeichnet, dass sie von der Ausstattung her mittelalterlich wirkt oder wie aus einer Rumpelkammer zusammengesucht oder auch aus Beständen eines anthropologischen Museums; alles, was in der Alten Welt nicht mehr gebraucht wird. 

Eindrücklich sind die Computeranimationen von den Monstern, die wie in einem Meer aus einer Sandwüste tauchen und diese durchpflügen, teils sichtbar, dann wieder ganz abgetaucht, was diesen Boden der Neuen Welt heimtückisch macht. 

In dieser Neuen Welt reduziert sich das Hauptpersonal dank Monsterfraß bald auf Artemis (Mila Jovovich). Sie trifft auf Hunter (Tony Jaa), der eine Art Indianer mit Pfeil, Bogen und Pelzbesatz ist; die Pfeile aber könnten von der modernsten Rüstungsindustrie geliefert worden sein. 

Vor lauter Monstern und Monsterfantasien ist allerdings die Story arg dünn geraten. Artemis erwähnt zwar ab und an, dass sie nach Hause möchte. Aber ein solches ward nie zu sehen, oder aber es ist die UN-Mission gemeint; was aber wiederum dem Zuhause wenig dramaturgische Spannung abgewinnen kann, umso weniger, als die meisten ihrer UN-Kollegen längst Monstern zum Opfer gefallen sind. 

Zu hören war, dass dieser Film selbst wegen eines einzigen Satzes der chinesischen Zensur (bestimmt selber ein Monster!) zum Opfer gefallen sei, wodurch bei den Filmemachern sich Defizitmonster einnisten dürften, die nicht so leicht zu bekämpfen sind; da müssen sie warscheinlich ihren eigenen Kong aktivieren. 

Die Alte Welt, unsere Welt wird mit einer rostigen Cola-Dosa charakterisiert; ein inzwischen etwas müde gewordenes Product-Placement und als dramaturgischer Aufhänger und Symbol für das Zuhause deutlich zu dünn geraten. 

So bleibt dem sommerlichen Publikum, dem Popcorn zu empfehlen ist, immerhin noch der Gruselschauder. Und zwischendrin im Angesicht einer Horde von Monstern, die sich durch eine Wüste bewegen, fiel mir die Elefantenherde ein, die sich zur Zeit mit unbekanntem Ziel durch Chinas Felder frisst. 

Ein Eindruck, der sich inzwischen immer öfter, wenn auch nicht immer, bei Filmen aus China einstellt: je mehr dort Überwachung und Unterdrückung grassieren, desto abgemagerter kommen die Stories daher. 

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