Das Riesending – 20′ 000 Meter unter der Erde


Die Kaiser Barbarossa und Karl den Großen hat die Gruppe von Höhlenforschern im Riesending noch nicht gefunden, deshalb suchen die 5 Männer auch nach 30 Jahren und über 20′ 000 Metern erkundeter Höhlengänge weiter. Vielleicht gibt es doch noch einen Ausgang oder einen anderen Eingang – oder die beiden schlafenden Kaiser.

Berühmt geworden ist die Höhle mit dem Namen „Riesending“ durch einen Unfall im Jahr 2014, als einer der Forscher verletzt wurde und aus dem schwierigen Labyrinth herausgebracht werden musste. Die Rettungsaktion hielt Menschen und die Medien in Atem. 

Dem Müncher-U-Bahn-Benutzer dagegen dürfte der Name Untersberg ein Begriff, eine Haltestelle der Linie U-2 heißt Untersbergstraße und im Inneren des Untersbergs bei Berchtesgaden befindet sich Deutschlands tiefstes und noch nicht bis zum Ende erforschtes Höhlensystem. 

Dem Film von Petra Höfer (Stoffentwicklung) und Freddie Röckenhaus gebührt das Verdienst, mit den Kamerleuten Thomas Matthalm, einem der Forscher, Katharina Bitzer und Robbie Shone eine dieser tollkühnen und mehrtägigen Forschungsgänge der 5 passionierten Höhlenforscher ( begleitet zu haben; da stehen sie der Verwegenheit und Abenteuerlust eines Werner Herzog in nichts nach. 

Die Ausbeute ist umwerfend, was es hier an Felsformationen, an Abgründen, Felsbächen, zu sehen gibt, an Farben, das würden Computeranimateure nicht so ohne weiteres hinkriegen, der Sound, die Formen. Teils wie Bilder vom Mars oder vom Mond. 

Die Namen, die die Forscher einzelnen Passagen gegeben haben, erzählen von den Innereien des Unterbergs: Waschsalon, Duschgasse, Lagune, Riviera, Blätterteigcanyon, P 130-Schacht, Schacht der Schleierfälle, Auenlandschaft (so faszinierend wie Korallenriffe), Reitertränke (mit Schlauchboot zu überqueren), Kluft der schwarzen Kristalle, Maulwurfgänge, Nirwanaschacht, Lehmcanyons, Lehmdünen, Wundergang.

Die vertauenerweckende, behagliche Stimme von Benjamin Völz übernimmt auf der Tonspur die Funktion des begleitenden Tourist-Guide. 

Der Film ist eher nicht für Menschen geeignet, die unter Klaustrophobie leiden, denn hier ist nichts fingiert wie im Spielfilm Nanga Parbat. Hier besteht der Kitzel darin, dass es sich um eine Dokumentation handelt, dass also alles „echt“ ist, dass Forscher teils eine GoPro auf dem Helm tragen und nicht nur alles hautnah zu erleben ist, sondern auch das Wissen mitschwingt, wie viele Tage die schon untertags unterwegs sind, welch schwierigen Passagen sie schon gemeistert haben, enge Felsspalten, durch die sie sich hindurchzwängen, schroffe Felsformationen auf dünnem Grat in der Hocke überwinden, Höhenunterschiede von 80 und 100 Metern und mehr frei am Seil hängend, an Wasserfällen vorbei. Da kann man nicht einfach mal schnell, wenn es einem zu eng und zu unangenehm werden sollte, vor die Tür treten zum Luftschnappen und sich bewegen. 

Vor allem: sie müssen den ganzen Wege, der mehrere Hundert Meter Höhenunterschied ausmacht, auch wieder zurückgehen, zurückkraxeln, zurück sich am Seil hochziehen – und immer die Schleifsäcke im Schlepp. In diesen befinden sich Proviant, neues Material an Seil und Haken, an Bohrern und Dübeln.

Für die Forschung entnehmen sie Erdproben, vermssen das System. Dem sind die plastischen Raummodelle des verzweigten Höhlenlabyrinthes, die immer wieder zur Orientierung eingeblendet werden, zu verdanken. 

Den Kitzel unterstützt die Musik in der Art des Zirkustusches, des Trommelwirbels. Beruhigend ist, dass die Männer im Laufe der Jahre mehrere Biwaks eingerichtet haben, überall Seile installiert und dass sie inzwischen immerhin eine Verbindung aus dem Berginneren zum Handynetz herstellen und so SMS an die Oberfläche verschicken können. 

Und was ist mit den mysteriösen Winden und Wettern, die untertags zu verspüren sind? Geheime Botschaften der Erdgöttin oder von schlummernden Kaisern?

Der Film wird selbstverständlich in Berchtesgaden, aber auch in weiteren Orten im Laufe des Sommers open-air gezeigt werden. 

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