Die frittierte Trompete
ist in diesem doppelten Erklärkino von Sánchez Lansch über den Karrieremusiker Matthe Herberts ein eher skurriles Nebenprodukt eines Projektes im Zusammenhang mit dem Brexit.
Herberts befindet sich in einem Fischerdörfchen, das breit für den Brexist gestimmt hat mit der Begründung der Fischerei, obwohl hier Fisch längst aus Schottland und Island importiert wird. Er besucht eine Fish-Chips-Bude, interviewt die Inhaberin und deren Enkelin, die an der Fritteuse steht und legt spontan eine kleine Trompete hinein. Auch dazu wird es Erklärungen geben.
Herbert Matthew erklärt seine Tonsammel- und Tonsamplermethoden.
Der Film selber kommt wie eine Lecture über den Künstler daher im Sinne einer flankierrenden PR-Maßnahme.
Matthew Herberts ist ein international erfolgreicher Musik-Performer, Band-Leader, Tonfischer und Tonmischer und auch Entertainer, begnadeteter Publikumsmanipulator. Das Publikum macht anfangs des Konzerts bestimmte Töne. Die werden in die Performance eingebaut. Herberts ist universal. Alles macht Töne, Geräusche, die können aufgenommen werden, vom Stehpaddler bis zum Geräusch des Zertretens roher Eier oder zur Kanalschwimmerin.
Andererseits können alle Töne, Geräusche mit einer Exegese versehen werden. So kann sogar ein Buch vertont werden. Oder Zahlen aus Berlin. Wie viele Menschen an dem Tag dort gestorben sind, wie viele zur Welt gekommen. stefe meint, so lange ein gewisser Grundrhythmus da ist, scheint jede Art von Sound, wenn er nicht zu sehr schmerzt, das betont auch Herberts, verkauft werden.
Über das Geschäftsmodell und die Finanzdimensionen ist in solchen PR-Filmen nichts zu erfahren. Alles nimmt Herberts zur Tonproduktion her mit dem Mikro von der Baumfällung über Gewächshäuser, von der Geburt eines Ferkels bis zu dessen Aufzucht, das Metzgermesser, den Brexit.
Herberts schreckt auch vor einem Remix von Mahlers Zehnter nicht zurück mit dem Einfügen von biographischen Bezügen. Der Mensch produziert ständig Töne, die Stille nicht ausgenommen. Das ist verblüffend an diesem Künstler, dass er offenbar sehr offen für sehr vieles ist und dabei auch noch in Anspruch nimmt, Bewusstsein für manche Dinge zu schaffen. Das geht bis zu literaturaffinen Texten, die er zu Tönen zitiert, bis hin zu Bigband und Chor und Mitmachmusik.