Wurzeln des Überlebens (online-Premiere)

Und im Hintergrund dräut die industrielle Landwirtschaft

und die Chemieindustrie mit ihren Konzernen. 

Aber Betram Verhaag (Drehkonzept und Treatment: Eva Linke) übernimmt in seinem Film gerade nicht die Aggressvität der turbokapitalistischen Landwirtschaft und der Ausbeuterin der Erde, der chemischen Indstustrie. Verhaags Kritik ist sanfter Natur. 

Verhaag lässt kreative Landwirte der unterschiedlichsten Couleurs zu Wort kommen, die nicht nur nicht auf den Kopf gefallen sind, sondern die recht glücklich wirken, nicht gedrückt von einer Schuldenlast sind oder geplagt von ausgelaugten Böden, die der Wind leicht wegbläst oder die schnell das Regenwassser nicht mehr auffangen können, auch kranke Tiere kennen diese Landwirte kaum. Es sind Landwirte, die hinter das mechanische Weltbild von Descartes zurückgehen und die auch den Adam Smith wirtschaftlich überwunden haben. 

Landwirte, die den Kreislauf der Natur genau studieren und sich geschickt in diesen einbringen und so nachhaltig und rücksichtsvoll ihr Teil für sich und die Menschen abschöpfen, ohne den Ast, auf dem sie sitzen, abzusägen. 

Es ist ein Film für Menschen, die sich für die Grundlagen unseres Lebens und unserer modernen Existenz interessieren, eine Lecture für Fortgeschrittene, es ist ein kein Agit-Prop-Film gegen Agrarsubventionen und Chemiekonzerne. 

Es ist vielleicht einer der Filme nach dem Motto, dass steter Tropfen den Stein höhlt, was sich ganz langsam auch im Ansatz zu einer Wende in der europäischen und auch der deutschen Agrarpolitik zeigt, indem die Abkehr von der Förderung der Größe der Betriebe zu einer Hinwendung zur Förderung rücksichtsvoller Kleinteiligkeit – viel zu zaghaft – eingeleitet wird. 

Verhaag rahmt seinen Film mit einem weitsichtigen Text, den Franz Hohler an den Zuschauer gewandt spricht, ein Text, der einen Zusammenhang herstellt zwischen dem Verschwinden eines unangenehmen Käfers in der Südsee und der Verfügbarkeit von Hühnereiern bei uns. Denn alles hängt mit allem zusammen. 

Um seine Portäts eines Tomatenzüchters und -sammlers, eines Herrmannsorfer-Landwirtes, einer Rinderzüchterin, von biologisch-dynamischen Ackerbauern und Viehzüchtern nicht allzu sehr in die Beschaulichkeit versinken zu lassen, erinnert der Regisseur mit einem Metronom immer wieder daran, dass die Uhr tickt. 

Mit diesem Film schließt Verhaag nahtlos an an seinen Film Aus Liebe zum Überleben

Und hier gehts zu Kino on Demand.

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