Freaky

Aufruhr in Blissfield

Für Dorfunterhaltung ist gesorgt in diesem Film von Christopher Landon, der mit Michael Kennedy auch das Drehbuch geschrieben hat. 

Damit ist nicht gemeint, der Film sei provinziell oder nur fürs Dorfpublikum – ganz im Gegenteil, damit ist gemeint, dass dies ein Film ist, der das heutige Publikum ansprechen dürfte in seiner legeren Mischung aus Coming-of-Age, Horror und Humor; dass er, wobei ich das momentan noch nicht exakt analysieren kann, etwas aus unserer Zeit erzählt. Oder vielleicht auch nur das Allegemeinmenschliche anspricht. 

Wobei der Ortsnamen Blissfield ironisch gewählt sein dürfte für Glück, Glückseligkeit; die Ortschaft ist gesegnet – mit Menschen allgemein und damit mit Menschlichem allgemein. Zudem mit einem furchtbaren Massenmörder mit einer künstlerisch wertvollen Gesichtsmaske. Er wird „Der Schlächter“ genannt und gespielt von Vince Vaughn, ein Hüne von Mann im Vergleich zu den ihn umgebenden Teenies. 

Millie (Kathryn Newton) ist ein ganz normaler Teen; dies schildert Landon auch ganz normal, wie College-Jugend so ist in Amerika. Nur hat Millie das Pech oder das schauspielerische Glück, dass die Story es will, dass bei einem Zusammenstoß mit dem Schlächter ein Persönlichkeitstausch stattfindet. 

Millie wird innerlich zum Schlächter und er zu Millie. Sie streift fortan mit stierem Schlächterblick durch ihre Jugend, immer auf der Suche nach Messer und anderen Killerinstrumenten bis hin zur Kettensäge und nach Opfern; während er plötzlich Gestik, Ton, ja Wortspiele und Handklatschen unter Freunden von ihr übernimmt und auch ihre Geschichten kennt. 

Hier wird es besonders köstlich, wenn ein Schulfreund von Millie im Auto mit dem gezähmten und teeniehaften Butcher sitzt, der jetzt bis auf die Äußerlichkeit ein ganz normales Pitch-Perfect-Girlie geworden ist, und dieser für den Jungen immer mehr zu Milllie wird, die er berühren und knutschen möchte, sich kaum zurückhalten kann.

Es gibt noch den dramaturgischen Kniff, dass Milie innert 24 Stunden vom Seelentausch sich befreien muss, ansonsten ist eine Rückkehr zum sorglosen, nervösen Teeniekleinstadtleben nicht mehr möglich. 

Mehr Aufruhr in einer Kleinstadt geht nicht, denn der Weg zurück zur Normalisierung ist voller Hindernisse. Vielleicht ist es ja gerade dieses Übersichtlich-Gemütlich-Ungemütliche was uns Menschen am Kleinstädter so fasziniert; dass die Leute noch nicht in Anonymität versinken, dass die Akteure in Verhältnissen zueinander stehen und keiner ein Dahergelaufener ist. Der vertraute Charme des Vertrauten – und mitten darin die Ungeheuerlichkeit. 

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