Das Mädchen Deiner Träume – I met a Girl

Australischer Orpheus

Er singt, spielt Gitarre, er trifft ein Mächen, das rettet ihn, er verliert es und sucht es quer durch Australien: 

Devon Cassidy (Brenton Thwaites). Er sieht prima aus, so frisch, unbekümmert mit blendenden Zähnen beim Lachen, mit sinnlicher Mähne, männlich wohlproportioniert im Gesicht; alles da, was es für einen Schlagersänger braucht, für einen Künstler der leichten Musik. 

Aber da ist noch diese andere Dimension, er hört Stimmen, schon immer, böse Stimmen und gute Stimmen. Das kann ihn zum Durchdrehen bringen. Die Liebe und der Wahnsinn. 

So stellt ihn Regisseur Glen Dolman nach dem Drehbuch von Luke Eve zu Beginn vor bei der Hochzeit seiner Bruders Nick (Joel Jackson) mit Olivia (Zahra Newman). Devon singt, hört die Stimmen, dreht schier durch. Er braucht Behandlung, er bekommt Medikamentation. Er ist der Typ Mensch, der so sorglos lebt, dass man ihn nie in einem bürgerlich geregelten Leben sehen würde, der von der Muse geküsst ist, die sich nicht an Gebote und Verbote halten kann. 

In den Jobs des bürgerlichen Lebens ist Devon nicht haltbar, er muss immer ausbrechen, sucht die Grenze bis zum Absturz. In so einem Moment findet ihn Lucy (Lily Sullivan). Er wacht bei ihr auf in einer leeren Badewanne, blutverschmiert. Sie ist sein Engel. Sie erzählt ihm von Canberra. Damm verliert er sie. Er trampt bis Canberra, um sie zu finden. 

Devon ist ein Grenzgänger, immer muss man um seinen Absturz fürchten, immer aber findet er rettende Engel oder hilfsbereite Mitmenschen. Das sind die Anekdoten, die den Film füllen; aber auch Devon zeigt Mitmenschlichkeit. 

In Canberra sucht er mit allen Kräften nach Lucy, findet sie nicht. Aber sein Bruder, der eine gewisse Verantwortung für ihn hat, wird über eine TV-Sendung auf ihn aufmerksam, holt ihn ab, steckt ihn in ein Heim. Es wäre gegen das Prinzip der Figurzeichnung, wenn er es dort aushielte. 

Wobei es den Filmemachern am Schluss dann doch etwas an Konsequenz fehlt, mindestens der Konsequenz des griechischen Dramas, das im Hinterkopf anklingt, und die den Film auf den letzten Metern zu einem glücklichen Ende schnüren, sich sozusagen wieder auf die Schlagersängerebene begeben. 

Typ Systemsprenger. Typ nicht zurechnungsfähig. So dusselig, dass er sogar seine Gitarre verliert, aber eine gefundene Radkappe in der Wüste kann auch ganz spannend sein und sogar zu Interpretationen führen. 

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