Wer wir waren (zum Tag der Erdüberlastung)

Der Augenweideaspekt

hat in dieser kultur-, natur- und menschheitsphilosophischen Dokumentation von Marc Bauder nach einer Idee von Roger Willemsen einen hohen Stellenwert; wie in einem exklusiven Hochglanzmagazin werden die gezielt ausgewählten und geframten Bilder präsentiert; schließlich ist Kino fürs Auge und das will was sehen, was nicht alltäglich ist, was es womöglich in fremde, aufregende Welten entführt. 

Hier wird das Auge des reflektierenden Betrachters mitgenommen auf eine allumfassende Expedition von den Tiefen des Meeres bis hinauf zur Raumstation, die um die Erde kreist, vom Hochgeschwindigkeitszug in Japan zu internationalen Klimakonferenzbühnen, vom Sklavenhaus im Senegal zum Buddhisten am Himalaya und bis hin zum KI-Menschen-Entwickler in Japan oder zu einem Meeresforschungsinstitut. 

Philosophische Themen zu illustrieren ist eine besondere Herausforderung für das Kino; sie brauchen besondere Bilder. Marc Bauder hat den Film aufwändig produziert mit exquisit gesetzten Bildern. Wobei deren Einfangen kurz thematisiert wird, wenn die Astronauten in der Raumstation über das Filmen berichten, wenn man sie filmen sieht, da wird es amüsant, wie sie mit pfadfinderenthusiastischer Begeisterung vor einem kleinen Ausguckfenster drei Kameras auf das Auge eines Wirbelturmes richten. 

Am schmerzhaftesten sind die Bilder aus der Raumstation auf den Amazonas und die Brandrodungen, die wie auf einem Röntgenbild eine krebsbefallene Lunge zeigen. Das Bild sollte öfter bei entsprechenden Kampagnen und Konferenzen und bei zuständigen Politikern präsentiert werden. 

Der Film begibt sich auf einen lockeren Tour d‘ horizon – und umsichtig – durch brennende aktuelle Menschheitsthemen, wirft aber immer die Frage nach dem Menschsein, dem Glücklichsein aber auch der menschlichen Hybris auf. Dies vor dem Hintergrund unglaublicher menschlicher Errungenschaften wie Raumfahrt, Tiefseeforschung (wobei die weit hinter anderen Forschungen herhinke und doch so wichtig sei), dem Welthandel mit seinen riesigen Containerschiffen (was kürzlich im Suez-Kanal schmerzlich bewusst wurde), den Problemen des Klimawandels und dessen Folgent bei denen, die am wenigsten dazu beitragen. 

Es sind die Themen von Demut und Achtsamkeit, Bescheidenheit wie sie der Mensch auch gerne bespricht, wenn er nachts im Sommer am Lagerfeuer zu einem Sternenhimmel hinaufschaut. 

Eine grüblerische Posthumanistin, eine Meeresforscherin, ein Astronaut, ein Ökonom und ein Buddhist sind die zentralen Auskunftsfiguren zu den Fragen nach der Zukunft des Menschen; daher wohl auch der Titel, ob wir denn überhaupt wissen, so interpretiere ich ihn, wo wir herkommen und ergo, wo wir hinwollen. 

Es fallen bemerkenswerte Begriffe wie „obituary Values“, was macht den Menschen in seinem Nachruf aus, oder das Philosophem zum 400 Jahre alten Grönlandhai, der viel länger auf der Welt ist als wir und was wohl sein Wissen sei oder der Ökonom, der erkennt, dass er 30 Jahre lang unter falschen Voraussetzungen geforscht hat. Dieser ruhige Betrachtungsfilm wird kunstvoll gepflegt musikalisch unterlegt

Der Film ist gedacht als Diskussionsbeitrag zum Tag der Erdüberlastung

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