White Cube (DOK.fest)

Kreativität kontra Plantage

Eine Dokumentation, die gleichzeitig auch ein Märchen ist, kann erträglicher von Ausbeutung und Kolonialismus erzählen, wobei das Märchen in diesem Film des Künstlers Renzo Martens eher ein positiver Kollaterschaden, ein Nebenprodukt ist, das Märchen vom Plantagenarbeiter, der zum international gefeierten Künstler wird. 

Der Künstler Renzo Martens hat bei einer Ausstellung seiner Werke in der Tate Gallery of Modern Art in London überall Papperl des Sponsors Unilver gefunden, ein multinationales holländisch-britisches Unternehmen. 

Martens fängt an, sich für die Unilver-Geschichte zu interessieren, wird fündig im Kongo; hier hat die Firma Anfangs des letzten Jahrhunderts Palmölplantagen angelegt. Martens stößt auf die Ausbeutung der Arbeiter und wundert sich, dass er als Künstler mit Geld aus diesen Profiten gesponsert wird.

Der Film beginnt 2012 und endet 2020. Martens sieht, wie wenig Geld die Plantagenarbeiter für ihre Arbeit erhalten, wie armselig sie leben. Er will etwas zurückgeben, denn es ist schwer nachvollziehbar, warum diese von ihrer Arbeit so wenig haben sollen. 

Martens These ist die von der Welt als Vorstellung, als Imagination, nur wer träumt, kann Projekte auf die Beine stellen und kann auch kritisch sein. Mit Genehmigung von Unilever organisiert er auf einem kleinen Teil des Firmengeländes Kreativworkshops. Das setzt eine teils dramatische Entwicklung in Gang mit gewaltigen Rückschlägen, die in gewisser Weise erwartbar und zwingend sind, denn Fantasie ist ein starker Gegenpol gegen ausbeuterische Plantagenarbeit. 

Der Film zeigt den weiteren Weg von Martens‘ Künstleraktion, die teils mit modernsten Mitteln arbeitet, bis hin zum Bau des White Cube, des Museums in Lusanga mitten in den Tropen und damit verbunden auch ein Ansatz zur Rekultivierung von verlassenem Plantagenland. Vorstellung ist der Anfang der Hoffnung.

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