The Silence (DOK.fest)

Jahrhundertplanung.

Die katholische Kirche plant in einer Größenordnung von Jahrhunderten, ihre Zukunft liegt in Lateinamerika, Afrika, den Philippinen, meint ein intellektuelles Talking Head in diesem Anklagefilm von Renée Blanchard, was interessieren die katholische Kirche da längst vergangene Missbrauchsfälle in der kleinen Provinz New Brunswick in Canada mit pädophilen Priestern, die nicht nur in Sommercamps die ihnen anvertrauten Buben skrupellos aufs übelste missbraucht haben. 

Das ist vielleicht das zynische Fazit über die Wirksamkeit eines solchen Filmes. Hier kommen zwar einige der Opfer zu Wort; und es fällt ihnen inzwischen nicht mehr ganz so schwer über den Missbrauch zu reden, nachdem vor einigen Jahren das jahrzehntelang lastende Schweigen endlich gebrochen wurde. 

Aber die Lage ist verfahren. Viele der Opfer haben Selbstmord begangen, viele der Priester sind tot, vor allem der Hauptangeklagte, nach dem sogar eine Sportarena benannt worden war. Ratzinger hat sich bei seinem Kanadabesuch routiniert entschuldigt; viele Fälle hat die Kirche gegen Geld erledigt und einige Standhafte haben den mühseligen Weg vor Gericht gewagt, wo die Kirche es offenbar erfolgreich schafft, auf Zeit zu spielen. 

Es gibt also mehrere Angeklagte in diesem Film, die meisten sind tot; die einzige, die noch zur Verantwortung gezogen werden könnte, ist die katholische Kirche. Die aber bewegt sich nicht einen Millimeter in Richtung Abschaffung des Zölibats, Anerkennung von homosexuellen Beziehungen. Für sie sind das Modeforderungen aus Ländern, die in ihrer Jahrhundertplanung keine Bedeutung haben. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.