The last Shelter – Witnesses from the Shadows (DOK.fest)

Im Staub des Dazwischen

Subsahara, Sahel, Sand, Sand, Staub, überall Staub. Vor allem im Haar. Hier sollte man die Haare kurz tragen, wird bei der Rasur erklärt. 

Eine Hilfsstation, eine Auffangsstation südlich von Algerien, irgendwo im Sandland. Durchgangsland für Menschen, die in Richtung Europa aufgebrochen sind, dort eine Zuunft suchen wollen. Aber die Reise ist gefährlich, speziell zwischen hier und Algerien. Terroristen, Wegelagerer, Frauenschänder. Sie ist nicht zu empfehlen. 

Ein ehemaliger Migrant, der brutal gescheitert ist, betreibt diesen „Shelter“, diesen Schutzraum, um den Menschen, die oft nichts mehr haben, etwas Würde zurückzugeben, sie zu einer Rückkehr in ihre Heimatländer zu überreden und dazu zu verhelfen, auch wenn das für viele schwierig ist, weil die ganze Verwandtschaft all ihr Geld zusammengelegt hat, um den gefährlichen Weg in Richtung Wohlstand zu finanzieren; aber überall gibt es Wegelagerer, Kontrollpunkte, Straßensperren, Terroristen, alle wollen abkassieren. So weit so bekannt. 

Der extensive Film von Ousmane Samassekou sammelt Stimmungsbilder an diesem Niemandsort, lässt Flüchtlinge in ihren Aufenthalts- oder Schlafräumen sich unterhalten, auf den Konvoi zurück in die Heimat warten. Der Filmer ist dabei, wie sie Schach spielen oder versuchen, Englisch zu lernen, wie sie Fernsehen schauen oder befragt werden nach Angehörigen, eine Telefonnummer von einer Bezugsperson wäre prima, falls jemand stirbt. Dass Todesfälle vorkommen zeigt die Eingangsszene auf dem Wüstenfriedhof. 

Mit seinem Film will Samassekou dem politisch-abstrakten und oft missbrauchten Flüchtlingsthema ein Gesicht geben. Im staubigen Niemandsland zwischen Herkunft und Zukunft. Jeder Mensch hat eine Geschichte, das ist seine Würde, seine Geschichte macht den Menschen aus. Und mit dem Aufmachen auf die Suche nach einer Zukunft, formt der Mensch seine Geschichte mit. Die Helfer hier wollen diesen Geschichten eine andere Richtung zu geben; denn Herkunft kann auch Zukunft sein. 

Ganz unpathetischer Dokumentarismus zu einem bei uns hochaufgeladenen Thema. 

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