The Art of Sin (DOK.fest)

Beim Landeanflug auf Khartoum

könnte einem mulmig werden, wenn man Exilsudanese und gay ist. 

Das trifft auf den Protagonisten Ahmed Umar dieses Filmes von Ibrahim Mursa zu. Umar ist fotogen, fotogener geht nicht, er ist Sudanese, offen schwul und ein anerkannter Künstler in Norwegen, wo er seit Jahren lebt. 

Ahmed vesteht es, sich immer aufregend zu kleiden, oft mit einem Touch ins Weibliche. Er kann in Norwegen sein Leben führen, frei, wobei es auch hier zu Übergriffen kommen kann. Aber im Sudan darf das gar nicht sein. Weshalb er das Land vor Jahren schon verlassen hat. Vor allem für den väterlichen Teil der Familie eine Schande, offenbar eine bekannte Familie in Khartoum, wie eine Szene mit der Polizei dort zeigt. 

Ahmed hat sich nach Jahren der Abwesenheit entschlossen, seine Familie, seine Heimat wieder zu besuchen. Im Film kommt nur der Besuch bei der Mutter vor. Da Homosexualität im Sudan immer noch strafbar ist, muss sich die Kamera zurückhalten, wenn Mursa und Umar Kontakt zur lokalen LGBT-Szene aufnehmen, die es durchaus gibt. Daraus entsteht eine kunstvolle Fotostrecke für eine Ausstellung in Norwegen. Die Sudanesen sind meist halb verdeckt von Umar oder nur leicht angeschnitten oder von hinten zu sehen. 

Es ist einer der privatistischeren Filme des DOK.festes, der sich freundlich um den fotoergiebigen Protagonisten dreht, der hat Geschmack; köstlich ist die selbstentworfene Tracht aus einem Mix aus Elementen norwegischer und sudanesischer Tradition, die er sich für seine Einbürgerungsfeier kreiert. 

Bei einem Ausflug mit einem Freund zu einer Ruinenstadt in die Wüste außerhalb von Khartoum gibt den beiden zu denken, dass in dieser ältest-überlieferten sudanesischen Kultur Homosexualität voll akzeptiert war. Die gute Nachtricht zuletzt: Seit Mitte 2020 ist im Sudan immerhin die Todesstrafe für Sodomie abgeschafft. 

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