Shadow Game (DOK.fest)

Moderne Flüchtlinge

Minderjährige, die im Aufrag ihrer Familien sich auf den Weg nach Europa machen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Afrika. Sie sind zielbewusst, informiert, gut ausgerüstet mit GPS, mit Handys und Smart-Phone, filmen ihre Flucht, tauschen sich mit anderen Flüchtlingen aus, sie stehen in Kontakt mit ihren Familien, berichten über den Fluchtfortschritt oder verschweigen die nicht geglückten Versuche von Grenzüberschreitungen, verschweigen, wenn es schwierig wird, gar wenn sie brutal geschlagen und ausgeraubt werden. Wobei letzteres wohl nicht zu verschweigen ist, denn auch Geld wird problemlos transferiert, so dass sich die Jungen, und es sind ausschließlich Jungs, zumindest in dieser Dokumentation von Eefje Blankevorort und Els van Driel, neu ausrüsten können. 

Der Film ist ein bunter und (überwiegend) leicht bekömmlicher Mix punktueller Impressionen aus Jahreszeiten, Orten und Protagonisten. Anwesend sind die Filmer vor allem in den Lagern, in den Stationen, an denen Flüchtlinge sich sammeln, hängen bleiben, sich erholen, sich verpflegen und medizinisch betreuen lassen können. Auch solche Strukturen entwickeln sich offenbar zwangsläufig an Flüchtlingsrouten. 

Für die Jungs selber, sie sind im abenteuerlichsten Alter, handelt es sich um ein Game, von dem es verschiedene Varianten gibt, das Train-Game, das Walking-Game oder auch das Game of Life and Death; es gibt Stellen, wo es lebensgefährlich werden kann, wilde Tier im Dschungel (dieser balkanesische Dschungel kommt auch vor in The Wire), Kälte, Minenfelder, Hunger, Durst. 

Brenzlig wird es um die EU herum. Hier rein zu gelangen scheint die größte Herausforderung und in Kroatien macht sich die Polizei ein Spiel daraus, erwischte Flüchtlinge auszurauben und zu foltern. 

Aber die Flüchtlinge zeigen Härte und Entschlossenheit. Teils sind sie jahrelang unterwegs und sie probieren die schwierigen Hürden immer und immer wieder zu nehmen. Und wenn die EU endlich erreicht ist, haben sie vorerst vom Reisen die Nase gestrichen voll. Aber ein eindrückliches Coming-of-Age, eine ungewöhnliche mythische Reise haben sie hinter sich. Und den ersten Bart noch dazu. 

Von Jungs, die das geschafft haben, kann noch einiges erwartet werden, wenn sie sich hier zielstrebig integrieren.

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