No Visible Trauma (DOK.fest)

Schieß- und schlägerwütige Polizei in Calgary.

Dieser sachdienliche Film von Marc Serpa Franceur und Robinder Uppal beschäftigt sich mit der überdurchschnittlich schießwütigen Polizei in Calgary. Hier werden weit mehr Menschen von der Polizei erschossen als in vergleichbaren anderen kanadischen Städten. Aber der Polizeichef von Calgary lobt seine Kräfte als die besten des Landes, was für ihn automatisch bedeutet, die besten der Welt. Damit fängt der Film, der wohl eher fürs Fernsehen geeignet ist, an. 

Das Thema des Filmes ist ein weitherum brennendes, Polizei, die ihre Macht missbraucht oder unangemessen einsetzt und wie schwierig die juristische Verfolgung von solchen Polizeiverbrechen ist. Das Problem ist auch hierzulande zur Genüge bekannt. Mir scheint, auch in Deutschland greifen Polizisten inzwischen leichter zur Waffe, werden öfter Menschen von der Polizei erschossen. Aber im amerikanischen Film werden die Waffen ja auch sehr leicht gezückt. 

Es ist ein Film von einer Art Reality-TV insofern, als die Fälle, die hier geschildert werden, meist mehrfach von allgegenwärtigen Überwachungskameras aufgezeichnet worden sind. Es ist brutal zu sehen, wie eine offenbar von allen guten Geistern verlassene Polizei auf Gefesselte eindrischt, voller Punch auf den Kopf, sie brutal zu Boden wirft, sich drauf kniet und dann mehrfach nachtritt.

So besehen, können Überwachungskameras sinnvoll sein. Nur was nützen die besten Videobeweise, wenn die Staatsanwaltschaft die Polizei milde behandelt, wenn Gerichte Verfahren sang- und klanglos einstellen. So dürfte dem wild gewordenen Korpsgeist in der Polizei schwer beizubekommen sein. 

Was in solchen Filmen meist fehlt, ist die Sicht oder die Innenansicht von den Tätern. Hier werden breit die Opfer geschildert, die Hinterbliebenen, die Anwälte. Und die Staatsmacht lässt es mit aalglatten Statements auf sich beruhen. Sicher, es tut weh im Kino immer und immer wieder so eine brutale Ungerechtigkeit zu sehen, dass das zu zeigen ein leichtes ist, hat schon Godard gewusst mit der Bemerkung, wie einfach es sei, Wirkung zu erzielen, wenn man im Kino ein Huhn schlachte. Wieso aber ist die Polizei offenbar (wie die Armee auch) so anfällig für derart toxische Kulturen? Die Frage wird hier weder gestellt noch beantwortet. 

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