No hay Camino (DOK.fest)

Vom Weg, der keiner ist

Der Weg ist das Ziel, heißt es, aber es gibt keinen Weg, meint die Filmemacherin Heddy Honigmann. Durch die Schritte, die man macht, bildet sich doch ein Weg. Auf diese Weise hat Heddy Honigmann einen langen Weg zurückgelegt. Den will sie, da sie schwer krank ist, nochmal Revue passieren lassen, in ihrem eigenen Erinnerungsfilm. 

Dieses Gedankenkonstrukt zeigt schon Heddys verzwickte Haltung zum Leben und zur Kunst, die nie ganz humorfrei ist, auch wenn das erste Bild befürchten lässt, man würde hier gleich einer hochklassischen, hochfeierlichen Veranstaltung beiwohnen müssen oder dürfen. 

Dem ist nicht so. Heddy Honigmanns wacher Blick auf die Welt hat mehr zu bieten. Es gibt eine erstaunliche Parallele zu Auslegung der Wirklichkeit und dessen Protagonisten Georg Stefan Troller. Beide sind jüdischer Abstammung, beide erlebten Emigrantenschicksale. Vater Victor von Heddy Honigmann stammte aus Polen, war in Mauthausen, hat überlebt und ist nach Peru ausgewandert. Dort etablierte er sich als einer der wenigen Comiczeichner, berühmt wurde seine Figur ‚“Supercholo“. 

Tochter Heddy fängt an, Filme zu machen, Menschen zu interviewen, und hier hat sie einen ähnlichen Ansatz wie Georg Stefan Troller: sie interessiert sich für die Menschen und will etwas von ihnen haben; sie sucht Hilfe, Erhellung. 

Die Rahmenhandlung spielt in Holland, wo die Filmemacherin die letzten Jahre verbracht hat. Pieter van Huystee trägt als kleinen Kurzfilm eine Fahrt mit ihr durch die Grachten bei. Und wie bei Troller, sind auch hier die Gespräche das wichtigste, über das Filmemachen, ihre intuitive Methode, den Weg, den es nicht gibt und den man trotzdem geht und überhaupt sei Filmemachen besser als zum Psychiater zu gehen. 

Den Hauptteil bildet die Abschiedsreise nach Peru. Hier blüht die Regisseurin nochmal förmlich auf, wie sie all den Leuten wiederbegegnet, mit denen sie gearbeitet hat oder mit Fimmenschen, mit denen sie 2016 einen Workshop gemacht hat. 

Honigmann inszeniert vor laufender Kamera vom Rollstuhl aus, gibt Anweisungen an den Kameramann. Alles ist sehr familiär. Sie inszeniert die Begegnungen und die Gespräche, zu denen sie wohl nicht viel mehr als Richtlinien vorgibt; die laufen durch die gemeinsamen Erlebnisse ganz von selbst. Es gibt Ausschnitte aus ihren Filmen. Die Szene mit der Begegnung mit einem peruanischen Taxifahrer, der erklärt, warum er seine Schrottkarre für diebstahlgesichert hält, lässt erahnen, was jemand über ihre Filme gemeint hat mit der Bemerkung, dass man sich beim Anschauen ihrer Filme fühlt wie bei der Begegnung mit einer Seelenverwandten. 

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