Judy vs. Capitalism (DOK.fest)

Radical is practical 

ist ein Lebensmotto von Judi Rebick, die Mike Hoolboom in einem aufregenden Bilderbogen vorstellt. 

Das dramaturigsch Erzählprinzip scheint einfach. Der Filmemacher lässt seine Protagonistin erzählen. Das ist nicht schwierig, sagt sie von sich selbst doch, dass ihr das Reden leicht fällt – und es ist kein Blabla. 

Hoolboom muss nur ein Thema antippen und schon fließen die Anekdoten und Überlegungen zu den wichtigen Theman in ihrem Leben, von der Familie über Übergewicht, Feminismus, Abtreibung, Missbrauch und kapitalistische Unterdrückung (hier kritisiert sie Israel für seine Apartheidpolitik den Palästinensern gegenüber). Das ist die Tonspur, auf der diese Themen in 6 Kapitel eingeteilt sind. 

Auf der Bildspur dagegen montiert Hoolboom einen experimentellen Remix von Archivfootage zu einem pulsierenden Wirbelwind aus oft bearbeiteten Bildern, wie er im Gehirn von Judy ablaufen könnte; womit er dem Zuschauer gleichzeitig das im Dokumentarfilm generell ermüdende Prinzip der „talking Heads“ erspart. 

So entsteht das insgesamt doch wieder komplexe Bild einer starken Persönlichkeit von Frau, die, wo immer sie ist, für Wirbel sorgt, sich engagiert, beherzt, mutig, wie eine atemberaubende Sequenz zeigt, wie sie und eine Begleiterin den populären Dr. Morgenstern über eine Straße begleiten zur medial gehypten Einweihung einer Abtreibungsklinik, stürzt sich ein Attentäter mit großer Gartenschere auf den Doktor, hat aber nicht mit der Geistesgegenwart der beiden Frauen gerechnet – und das in Zeitlupe abgespielt. 

Der Film ventiliert auf diese Weise höchst anregend und auch kurzweilig elementare Frauenthemen, die gleichzeitig allgemeingültige Themen sind um das Recht des Menschen auf Würde ganz ohne Einschränkung durch das Geschlecht. 

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