Kimmapiiyitssini: The Meaning of Empathy (DOK.fest)

Dr. Astrid Talifeathers

ist Ärztin bei den Kaina im größten Reservat Kanadas in der Provinz Alberta. Diese Gemeinschaft ist besonders gebeutelt von Drogen- und Alkoholsucht. Kaum ein Mitglied, das nicht Verwandte oder Freunde viel zu früh verloren hat. Besonders seit 2014, seit neue, künstliche Opiate auf den Markt gekommen sind mit verheerenden Wirkungen; viel zu schnell ist hier die Überdosis erreicht (siehe auch Lost Boys). So stirbt der Gemeinschaft ein Teil einer Generation weg, verliert Power; die Tode reißen eine schmerzliche Lücke. 

Dr. Talifeathers hat sich ganz diesem Problem gewidmet und versucht, neue Wege zu gehen, Alternativen zum Radikalentzug, die anfangs vom Staat Alberta auch gefördert wurden. Allerdings seien nach Drehschluss manche Programme wieder gestrichen worden, worauf die Zahl der Drogentoten in Alberta sprunghaft angestiegen sei; was indirekt für die Arbeit von Dr. Talifeathers spricht.

Elle-Máijá Talifeathers ist die Tochter der Ärztin und Regisseurin und Autorin dieses herausragenden Dokumentarfilmes. Hier geht es allerdings nicht um einen Mutter-Tochter-Konflikt, das gibt das Verhältnis nicht her; im Gegenteil, die Tochter begleitet und beobachtet die Mutter, deren Patienten, Unterstützer, Mitarbeiter, überhaupt all die Beteiligten an den Hilfsprogrammen sehr genau als integrierter Teil des menschlichen Geflechtes, selber schier besorgt um die Kranken, die Mutter bewundernd, ohne in blinde Verehrung zu verfallen. 

Es geht um achtsamen Respekt unter den Menschen. Dieses persönliche Verhältnis führt dazu, dass die „Talking Heads“, die oft in Dokumentarfilmen Ersatzleistungen für mangelndes Bildmanagement erbringen müssen, Teil der spannenden Geschichte des Filmes werden; auch weil die Filmemacherin die richtigen Fragen stellt; dies wiederum, weil sie die Materie von innen kennt und die Haltung ihrer Mutter als einer Frontzeugin mit der Muttermilch aufgesaugt zu haben scheit, das sind Respekt, Interesse, Behandlung der Menschen auf Augenhöhe, so wird oft schon zur Begrüßung eines Patienten gesagt, man sei so froh, dass er den Weg hierher gefunden habe. 

Ein ungewöhnlich persönlicher und gleichzeitig weit über das Privat-Regionale hinausweisender Dokumentarfilm. Dabei vergisst die Filmemacherin die Schönheiten Albertas nicht, die Wälder, Flüsse, Weiden, die Hochebenen mit den pittoresken Bergketten im Hintergrund, vergisst gleichzeitig nicht, die Leidensgeschichte der Kaina durch die kanadische Staatsbildung, die Missbrauchsgeschichten und die Umerziehung der Jugend in den Internaten. 

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