Ein Clown, ein Leben (DOK.fest)

Mit viel Weihrauch

im Sinne von „Der Zauber hat gewonnen“, wie es im Lied heißt, porträtiert Harald Aue den Zauber des Zirkus Roncalli und seines Magiers und Clowns Bernhard Paul. Zauberrauch gehört zur besonderen Magie dieses poetischen Zirkus‘, der ein gemütlicher, ein entspannender Zirkus sein will ohne den Stress und die Nervosität von Hochleistungsartisten oder Kamelen, die ewig im kleinen Rund laufen müssen. 

Der Titel des Filmes zielt darauf, dass Bernhard Paul, der den berühmten Zirkus erfunden und zum Erfolg geführt hat und immer noch leitet, sich im Innersten als ein Clown sieht und das ist ein Teil der Story im Film, dass er – nachdem er jahrelang nicht mehr als solcher aufgetreten ist – die klassische Formation von weißem Clown, dummem August und mit ihm als Zippo wiederbeleben möchte. 

Begeisterung und Applaus des Publikums nach dem ersten Auftritt kennen keine Grenzen und geben Bernhard Paul recht. Denn, das ist ein Strang des Filmes, eine kleine Geschichte der Clowns: das Appollinische, das Dyonisische, ein Mittel für verlorene Seelen, Pierrot, Bajazzo, Harlekin, Commedia del‘ Arte, diese klassischen Clowns, die alle begeistern können vom Kind bis zum Intellektuellen.

Bernhard Paul sei als Clown durchaus glücklicher als ohne, meint seine Frau. 

Der Film gibt mit Archivaufnahmen Einblick in die Geschichte von Bernhard Paul vom kleinen Zirkusträumer in Wilhelmsburg bei St. Pölten bis zum gealterten Zirkusimpresario mit großem Winterlager bei Köln und einer riesigen Sammlung von Dingen, die mit dem Zirkus in Verbindung stehen. 

Auf der Tonspur gibt es immer wieder zirkusnostalgische Songs. 

Bernhard Paul erzählt aus seinem Leben und es kommt die große Nummer des Clowns Pic eingangs vor, wie er aus der Erdkugel steigt und Seifenblasen in die Manege bläst, die Nummer, die der Startpunkt des phänomenalen Erfolges des Zirkus Roncalli war. 

Ergänzend zur Geschichte des Zirkus Roncalli könnte man

den Anteil von André Heller in Wie ich lernte bei mir selbst ein Kind zu sein hinzuziehen. 

Ein wohlbestallter Mensch, der Bernhard Paul, der die Gemeindewohnung seiner Familie originalgetreu wieder herrichtet und ausstattet, wie die Mutter im Altenheim ist und sie damit überrascht, sie, unter der er so viel gelitten hat, weil alles, was von ihm kam, bei ihr nichts gegolten hat. Diese Haltung passt durchaus zur Haltung des Zirkus Roncalli: versöhnlich, die Menschen mit Clownerie versöhnen, weil doch alle nur Menschen sind und jeder über den eigenen Fuß stolpern kann oder auch weil wohl jeder Schuh riecht, wenn er mal getragen ist. 

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