Borderlands (DOK.fest)

Liebliche Gegend 

Manipur, Westbengalen, Bangladesh, Indien, Myanmar, Nepal, Punjab, Pakistan, Rajastan, das sind Namen, die auf einer weich eingefärbten, ziemlich abstrakten Landkarte, die kaum mehr als Pergamentpapier ist, am Anfang des Filmes von Samarth Mahajan auftauchen. Dazwischen gibt es dunkel-dünn eingezeichnete Grenzlinien. 

Es ist eine liebliche Gegend, eine weiche Gegend mit lauter herzlichen, glücklichen Menschen. Wenn da nicht die große Politik wäre, die weit in die Kolonialzeit zurückreicht und die aus egoistischen Interessen Konflikte schürt, so dass ein Teil sich vom anderen abgrenzen muss. 

So wird aus der lieblichen Gegend eine Grenzgegend. Aus der kommt der junge Filmemacher Samarth Mahajan her. Und es ist nicht das schlechteste, am Anfang einer Laufbahn als Filmemacher, sich zunächst mit dem zu beschäftigen, was einen umgibt. 

Mit der Bescheidung im Titel auf die Region, in der sein Film sich umsieht, werden auch keine falschen Versprechungen abgegeben, im Gegenteil, es ist Raum für charmante Überraschungen, für viel Menschliches und Menschlichkeit vor dem Hintergrund des Gegenteils. 

Unverhofft oder intuitiv kommt Mahajan sogar seiner Mutter näher und kann ihr Themen (auch politische) entlocken, an die er früher offenbar nie gedacht hat. Der Filmemacher, den er porträtiert, ist vermutlich einer seiner Lehrer gewesen, so ist auch hier ein doppelter Bezugspunkt: die Liebe zum Kino kommt zu Wort, diejenige zu einem regional engagierten Kino, und gleichzeitig die Wertschätzung für einen glaubwürdigen Kinomenschen (und dazu noch die Referenz auf den View Master). 

Mehr mit den grässlichen Grenzziehungen zu tun hat eine junge Frau, die selber verkauft worden ist, sie passt an der Grenze auf, dass keine jungen Frauen über die Grenze geschmuggelt werden; sie arbeitet für die Kampagne zur Beendigung des Menschenhandels. 

Eine andere junge Frau, die ebenso ein Opfer war, ist in einem Mädchenheim und berichtet freimütig, wenn auch etwas genant, worauf Mahajan sensibel Rücksicht nimmt. 

Oder die Frau, die zurückgeblieben ist, während ihr Mann über die Grenze ging. Hier ist ein Highlight, wie einmal im Jahr Begegnungen an der Grenze möglich sind und auch ein kleiner Bazar. Absurd, komisch und furchtbar zugleich. In jedem Moment erinnert man sich an Mauerbau durch Deutschland oder zwischen Israel und Palästina. Köstlich, wie eine junge Frau dem Filmemacher ihren neuen Beruf als Krankenschwester in einer Szene vorspielen will, wobei sie gleich den Filmemacher als Akteur mit einspannt. 

So eine filmische Erzählung aus einer schwierigen Weltgegend, die fließt runter wie exquisites Öl. 

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