Between Fire and Water (DOK.fest)

Außenseitertum

Der Film transportiert in wunderschöner Landschaft und Kultur eine universelle Geschichte vom Anderssein mit einem Protagonisten, der diesen Zwiespalt auch immer wieder ungefiltert im Gesicht zulässt. 

Der Film selbst folgt der Suche von Camillo nach seiner Herkunft. Dabei schildert er gleichzeitig das übersichtliche Leben und die demokratische Selbstverwaltung in dem Reservat Quillasinga am Cocha-See in Kolumbien. 

Camillo ist die Hauptfigur und der Außenseiter, der integriert ist in der Gemeinde der Indigenen im Reservat, die Ackerbau, Viehzucht und Fischerei betreiben. Camillo hat, was ihn von seinen Adoptionseltern und seiner Umgebung unterscheidet, dieses „Afrofeeling“. Andererseits nimmt er am Gemeindeleben teil, arbeitet bei seinen Adoptiveltern Taita und Martha in der Landwirtschaft mit, beteiligt sich an Ritualen in der Kirche, an demokratische Gemeindeversammlungen – innerhalb vom Reservat gibt es eigene Autoritäten -, auch als Wache hat er gearbeitet; er kann mit seinem Bruder, der auch sein bester Kumpel ist, alles besprechen. 

Eigentlich sollte für Camillo alles bestens sein; die Adoptiveltern behandeln ihn liebevoll und mit tiefem Respekt. Aber es gibt das Handy mit den Spielen, es gibt die Wochenenden mit den Rauschmitteln und dem Alkohol; da ist er nicht er selber. Weg von zuhause hat er aber auch Diskriminierung erlebt. 

Der Film von Vivian Gómez Echeveryy zeigt in ruhigen Bildern den Zwiespalt dieses Menschen, der in die Gemeinde eingebunden ist, dazugehört, der aber anderes in sich spürt, vielleicht unerledigte Stresssitutionen seiner Vorfahren, die ihm die Gene weitergegeben haben? Der Film zeigt, wie Camillo versucht, seiner biologischen Geschichte nachzuforschen; zeigt aber auch, wie schwer sich Menschen mit einem Menschen tun, der anders aussieht; wie schwer Toleranz zu leben ist. Wie schwer es für einen Menschen ist, wenn in ihm womöglich nicht erkannte, vererbte Traumata ihr Wesen treiben. 

Dass er wegen diesem Anderssein die Hauptfigur in einem Film wird, dürfte wiederum zu einer positiven Wahrnehmung dieser Eigenschaft geführt haben; insofern greift die Dokumentation also solche in den Prozess des Konfliktes ein. 

Wiederum zeigt der Film, dass es wohl viel, viel leichter ist, gegen Rassismus zu sein, als wirkliche Toleranz zu leben. 

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