Belonging (DOK.fest)

Aus Sümpfen hob sich eine neue Welt …

Die Wojwodina

Unter Maria-Theresia sind anfangs letzten Jahrhunderts Umsiedlungen von Deutschen an die Donau propagiert worden; Sümpfe wurden trocken gelegt; diese deutschen Siedler wurden die Donauschwaben genannt. 

Jetzt, hundert Jahre später, gibt es dort noch etwa viertausend ursprünglich Deutsche, eine Minderheit in Serbien. 

Tea Lukac lässt in ihrem von schwermütiger Musik getragenen Abreißkalenderblattfilm Nachkommen dieser Besiedler erzählen, Menschen die im zweiten Weltkrieg noch Kinder waren, die die brutale und wechselvolle Geschichte dieser heutigen Minderheit erlebt hatten oder aus Erzählungen kennen. 

Es ist wie eine feine Handarbeit. Prima gearbeitet Bilder, die immer nur Standbilder sind oder bearbeitete Fotografien füllen die breite Leinwand, oft sind es Bilder, die wie Trauerkärtchen Halme und leere Äste, Felder und Raureif zeigen oder es sind Ansichten aus der Blütezeit der Donauschwaben mit ihren grundgenormten, aber indiviuell unterschiedenen, stattlichen Bürgerhäusern oder dann melancholische Zerfallsbilder von Ruinen oder von Vorfahren, die begeisterte Flieger waren (zu riskant, um eine Familie zu gründen). 

Ein breiter Schwarzstreifen unter den Fotos ist für die exzellent lesbaren Untertitel freigehalten. Die Erzählstimmen berichten von den grauenhaften Entwicklungen im Zweiten Weltkrieg, wie die Deutschen in Serbien plötzlich die Bösen, die Verfolgten waren, enteignet, in Lager gedrängt, vergewaltigt, massakriert. Wie nach dem Krieg keiner mehr ein Deutscher sein wollte und aus Deutschen plötlzich ungarischstämmige Leute wurden. Wie plötzlich klar war, dass auch die Serben als solche nicht die besseren Menschen seien. 

Der Film wird somit in der Art eines illustrierten Hörspiels zum meditativ-engagierten Plädoyer gegen jede Art von Nationalismus.

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