Wanda, mein Wunder

Pflege mit Komplikationen

Nach klassischer Struktur aufgebaut, zwar ohne Prolog, aber mit drei in römischen Zahlen übertitelten Kapiteln I, II und III und einem Epilog erzählt Bettina Oberli (in Deutschland vor allem bekannt mit „Herbstzeitlosen“) die Geschichte der polnischen Pflegerin Wanda (Anieszka Grochowska, eine herbe Leindwandschönheit), die in der Schweiz den Unternehmer Josef (André Jung) temporär pflegt. 

Running Gag der Kapitelung ist, dass Wanda jedes Mal mit einem Reisebus aus Polen in der Schweiz ankommt und von einem Mitglied der Familie ihres Pfleglings abgeholt wird. 

Die Familie wohnt in einem schmucken Einfamilienhaus mit Seeanstoß und Bergblick und einem symbolhaft starken Baum direkt am Wasser. 

Oberli exponiert in den ersten zwei Kapiteln die Situation übersichtlich, anregend und spannend. Der bettlägrige Josef ist glücklich, Wanda zurückzuhaben, die Pflegerin aus Portugal hat ihm nicht getaugt. Sein 70.er Geburtstag steht bevor. Seine Frau Elsa (Marthe Keller) will eine Party veranstalten und gleich bei der Rückkehr Wandas Pflichtenheft über die Krankenpflege um Mithilfe im Haushalt erweitern gegen nur bescheidenes Aufgeld. Wanda lässt sich aber so lausig nicht behandeln. 

Das Machtverhätlnis zwischen den beiden Damen ist exquisit herausgearbeitet. Zuhause lebt noch Sohn Gregi (Jacob Matschenz), ganz offensichtlich nicht mit den Unternehmergaben des Vaters ausgestattet. Er sammelt ausgestopfte Vögel, seine letzte Erwerbung ist eine Schleiereule. Er verguckt sich in Wanda, weiß aber nicht, dass sie gegen Extra-Geld seinen Vater befriedigt. 

Die Geburtstagsfeier selber findet ohne Jubilar statt, wobei nicht klar ist, ob er bloß keine Luste hat oder nicht kann. Hierzu findet sich auch Tochter Sophie (Birgit Minichmayr) mit ihrem glatten Notarsgatten Manfred (Anatole Taubman) ein. Sie ist nicht gerade freundlich zu Wanda. Vielleicht spannt sie ja was. 

Die Komplikationen fangen an heftig zu werden, wie bekannt wird, dass Wanda schwanger ist und noch heftiger, wie glaubwürdig wird, dass ihr Patient der Vater ist. Für ihn ist die Info ein Gesundbrunnen, bei seiner Gattin wird eine Lüge offenbar und die Tochter fürchtet um ihr Erbteil. 

Die Konsequenz der Konflikte ist in einem Moment, dass Mutter und Tochter beide überlegen, sich scheiden zu lassen. Das wäre ein schönes Schlussbild für das zweite Kapitel, denn bis hierher scheint die Familie gründlich durchleuchtet, die Konfliktsituationen klar beschrieben; jetzt könnte die Geschichte einen Sprung womöglich über mehrere Jahre machen; dann hätte der Zuschauer die Chance, sich zu überlegen, wie die Probleme wohl gelöst und vielleicht im Geheimen weitergetragen worden wären; es scheint, dass die Geschichte bis dahin in der entsprechenden Nähe auserzählt ist; mehr braucht man gar nicht wissen, wie es im Einzelnen weitergeht. 

Vielleicht hatten die beiden Drehbuchautorinnen auch eine gewisse Unsicherheit, wie sie weitermachen wollen und kamen auf die Unglückliche Idee, eine „Win-Win-Situation“ in den Film zu tragen. Die breiten sie im dritten Kapitel auch im selben Rhythmus und so verzweigt aus, dass der Eindruck entsteht, die Geschichte verläppere sich und es fehle ihr plötzlich an Tempo. Es fehlen neue Impulse oder der verhängnisvolle Impuls hätte als Komödie ganz kurz abgerissen und hingefetzt werden können; dann wäre aber vermutlich der Film zu kurz geworden. 

Die Pfunde, mit denen Oberli am meisten wuchern kann, ist die handeverlesenr Riege an Erste-Sahne-Schaupielern, die überzeugen und denen man gerne zuschaut, weil sie etwas über heutige Familienverhältnisse erzählen: Marthe Keller, André Jung, Agnieszka Grochowska, Jacob Matschenz und Birgit Minichmayr. 

„Sie sind nicht verrückt, sie sind Familie“. 

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