Proxima – Die Astronautin

Mütter als Astronautinnen haben’s schwer

Das will Alice Winocour, die mit Jean-Stéphane Bron auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählen am Beispiel von Sarah Loreau (Eva Green) und ihrer Vorbereitungen für einen Jahresaufenthalt auf der internationalen Raumstation ISS. 

Der Film hat einen doppelten Inhalt. 

Das eine ist der Teil, der vieles über solche Vorbereitungen von Raumfahrern erzählt, harte physische Trainingsprogramme, Beschleunigungstraining, Unterwassertraining, Simulation von Gängen ins All unter ähnlichen Bedingungen in Raumanzügen, Rettungsvorgänge, falls ein Kollege bewusstlos wird, die Schachtel mit dem höchstens einen Kilogramm persönlicher Gegenstände, Blutuntersuchungen, das sind Vorgänge, die in Deutschland geübt werden können. 

Der Countdown vor dem Start ist in Baikonur, Quarantäne, Untersuchungen, weitere Trainings bis zum Start selber, Verabschiedung von Verwandten, die angeflogen kommen, Präsentation für den internationalen Medienzirkus. 

Auf dieser Ebene wird das Thema Frau wenig virulent bis auf das Thema Menstruation, ob frau sie nicht abgestellt haben möchte, weil ansonsten Tampons mit auf den Flug müssten. Frau stellt ihren Mann, ist ja auch fest entschlossen dazu und ein paar Mal sieht man Sarah nackt unter der Dusche oder ihre Brüste; offenbar wichtig für einen Raumfahrtfilm mit einer Astronautin. 

Die andere Seite der Medaille ist das, was ich den Befindlichkeitsteil dieses Filmes nennen würde. Hier interessiert sich Alice Winocour für die Befindlichkeit von Sarah unter der Prämisse, dass Frauen, die getrennt leben mit Kindern, es besonders schwer haben im Beruf der Astronautin. 

Das sind jetzt allerdings Messages, die zu hören ich nicht unbedingt erpicht bin, wenn ich ins Kino gehe. Mei, es gibt so viele Menschen, die es im Leben mit selbst getroffenen Entscheidungen schwer haben, muss ich das jetzt auch noch von den Astronautinnen erfahren? 

Sarah lebt mit ihrem Töchterchen Stella (Zélie Boulant) getrennt von ihrem Mann Thomas (Lars Eidinger). Für die Zeit im Raum soll Stella zum Vater nach Darmstadt. Als Vermittlerin und Helferin steht Weny Hauer (Sandra Hüller) zur Verfügung. Das sind die Problemchen, dem Töchterchen klar zu machen, dass die Mutter ein Jahr lang im Weltall kreisen wird, dass es selber für die Zeit den Wohnort wechseln muss. 

All das schildert Winocour hingebungsvoll, teils wie dokumentarisch, aber immer wieder fragte ich mich während des Screenings, wo das hinauslaufen soll und ob nicht just diese Methode, auf die besonderen Schwierigkeiten des Frauseins in diesem Beruf hinzuweisen, nicht viel mehr diskriminatorisch wirkt und suggeriert, Frauen wären doch am Herd besser aufgehoben als im Weltall? 

Im Umkehrschluss erzählt uns der Film, dass Männer als Astronauten überhaupt keine Probleme haben, außer dass sie geborene Weltallhelden sind. 

Im Abspann erstaunt immerhin, wie viele Mütter bereits in der Geschichte der Raumfahrt ins Weltall geschossen worden sind und offenbar wieder wohlbehalten zurückkehrten. Das wäre vielleicht spannender, eine Dokumentation über solche Familien, die das erlebt haben und zu eruieren versuchen, ob das für Kinder schlimmer ist, als für solche, deren Mütter aus anderen Gründen (Schichtarbeit, Gefängnis, zwei Jobs, Reiseberuf) länger abwesend sind. 

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