Scars (Kino on Demand)

Medienfrau aus Sri Lanka

Vetrichelvi heißt sie, hat schon als kleines Mädchen zu schreiben begonnen. Sie gehört zu Minderheit der Tamilen auf Sri Lanka. Diese befanden sich in einem blutigen Bürgerkrieg gegen die singhalesische Unterdrückermehrheit. Mädchen wurden in ihren Teens zur paramilitärischen Organisation der Tamil Tigers gezwungen. Statt tanzen, flirten, rumhängen mussten die Mädchen schießen, töten, wurden beschossen, wenn sie Glück hatten überlebten sie, viele davon mit körperlichen Verletzungen, alle mit psychischen Belastungen, mit Narben (Scars). 

Man kennt das mehr von Männern, diese posttraumatischen Störungen, beispielsweise, was Vietnam Veteranen in den USA teils anrichteten. Kriege verstümmeln Menschen, körperlich, seelisch – damit müssen sie weiterleben. 

Diese Mädchen hatten keine Jugend; jetzt als Frauen dürfen sie seit zwei Jahren ein freies Leben leben mit einer Geschichte, die keine gerne erzählt, viele mit den sichtbaren Narben, vestümmelten Extremitäten, verlorenen Augen. 

Vetrichelvi war 1991 bei Kämpfen schwer verletzt worden, aber als Autorin wurde sie zur Medienfrau der Tamil Tigers, der Separatistenorganisation. Heute schreibt sie ein Buch nach dem anderen. Sie versucht die Geschichte ihrer Leidensgenossinnen publik zu machen, aufzuarbeiten. 

Agniszka Zwiefka hat Vetrichelvi bei ihren Aktivitäten in Sri Lanka begleitet. Selbstverständlich fallen dabei tropische Stimmungsbilder von der Trauminsel ab genau so wie Impressionen von einem pulsierenden Leben.

Vetrichelvi begibt sich auf die Suche nach früheren Kämpferinnen, befragt sie, lässt sie erzählen. Denn sie sind der heutigen Regierung suspekt, werden überwacht, gelten nach wie vor als potentielle Terroristinnen. 

Der Film hat die Brisanz eines Filmes über afrikanische Kindersoldaten wie Wrong Elements, bei dem es um die Rekonstruktion der Kriegserlebnisse von Kindersoldaten in Afrika geht. 

Agnieszka Zwiefka macht aus ihrer Dokumentation einerseits ein anrührendes Proträt der Medienfrau Vetrichelvi, die trotz des brutalen Schicksals und auch ihrer aktuell bedrohlichen Lage Optimismus ausstrahlt, die sich einsetzt für ein Heim für kriegsinvalide Frauen der Tamil Tigers, die versucht, diese verdrängten Geschichten ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen; und die gleichwohl – das ist vielleicht der größte Unterschied zur deutschen Aufarbeitungsmentalität – versucht, für diese Frauen ein kleines Stück Jugend nachzuholen, indem sie sie ermuntert zu tanzen und zu lachen; ihnen das Gefühl zu geben, sich nicht verstecken zu müssen, ihnen mithin ein Stück Selbstbewusstsein zu vermitteln; denn trotz Krieg, war es für viele Mädchen auch eine glückliche Zeit im Krieg. Etwas von dem Glück vielleicht zurückzuholen – ohne die scheusslichen Begleitumstände.

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