Falling

Viggo Mortensens humanitär getränkter Nihilismus

Viggo Mortensen meistert die sich als Regisseur und Drehbuchautor und zudem als einem der Protagonisten selbst gestellte Aufgabe ganz ordentlich. 

Es soll eine Familiengeschichte werden, nicht unbedingt eine epische Saga. Sie spannt sich aus der Kennedy- und Kubakrisenzeit über eine Generation in die neuere Zeit hinein. 

Zumindest hat Mortensen ein Thema oder einen Blick auf das Leben, der sich ganz früh im Film artikuliert bei der Ankunft von John, den sein Vater Young Willis (Sverrir Gudnason) versonnen begrüßt: auf die Welt gekommen, um zu sterben. Er trägt den Satz gar nicht als finstern Schicksalsspruch für ein dramatisches kurzes Leben vor, sondern als Grundfrage an das Sein, an den Sinn des Lebens, als Hinweis auf die Vergänglichkeit, die Vergänglichkeit auch von jedem Glück, von jedem Familienglück, vom Glück des Nachwuchses. 

Das Glück der jungen Familie Peterson dauert insofern nicht zu lange, als Gwen (Hannah Gross) und Young Willis nicht zu lange zusammen bleiben, denn Gwen zieht mit den Kindern aus. 

Es ist eine ineinander geschnittene Familiengeschichte, die sich um die beiden Hauptfiguren Willis (alt) und seinen mitten im Leben stehenden Sohn John dreht. Vater-Sohn-Verhältnis als einem Hauptgewicht in diesem Film. 

Schnell wechselt Mortensen bei den einführenden Szenen zu einem Flug von Willis (Lance Henriksen), jetzt alt geworden und mit Demenz kämpfend, und seinem inzwischen auch groß gewordenen Buben John (Viggo Mortensen), dem er im Flugzeug Peinlichkeiten bereitet. 

Der Sohn will seinen Vater aus dem amerikanischen Inland an die Küste ins sonnige Kalifornien holen. Hier lebt John mit seinem Freund Eric (Terry Chen), einem Krankenpfleger, zusammen. Sie haben ein Mädchen adoptiert. Vater Willis tut sich schwer, diese moderne Familienrealität anzuerkennen. 

Mortensen besteht aber darauf, das Verhältnis von Vater und Sohn so liebenswürdig wie möglich zu schildern, auch wenn der Vater es dem Sohn nicht leicht macht, weil er ein knorriger, alter Eigenbrötler geworden ist. 

Vor allem ist der Film ein schöner Schauspielerfilm, was oft zu beobachten ist, wenn Schauspieler Regie führen und das mit einem behutsam ausgesuchten und geführten Cast. 

Bei der Geschichte selbst sind gewisse Unebenheiten, wie es halt im Leben so ist, zu beobachten, mal ist, wie bei einer Schaukel, die Geschichte zur Kennedy-Zeit oben, dann die jüngere. Es scheint der dominiernde Betrachtungspunkt von Mortensen der der Vergänglichkeit zu sein, ein philosophischer Zugang zum Menschenleben und zu dessen selbstverantwortetem Glück. 

Das Thema wird in den Eingangszenen explizit auch mit der Entenjagdgeschichte dargestellt. Der junge Vater Willis geht mit seinem Buben klein John (Grady McKenzie) auf Entenjagd. Schön amerikanisch lernt der Bub früh den Umgang mit dem Gewehr. Sein Vater hält es zwar, der Bub zielt selber und holt tatsächlich eine Ente vom Himmel, der Vater fängt den Rückstoß des Gewehrs auf. Der Bub springt ins Wasser, um das tote Tier zu holen. Der Bub ist ganz stolz, das sei seine Ente, die gehöre ihm, sei sein neuer Freund. Es ist aber ein toter Freund und daran, dass die Familie diesen am nächsten Tag nach eine Behandlung im Backofen, essen möchte, ist so besehen genügend Exstenzfatalismus oder gar Existenz-Obszönität dran; der Bub will seinen neuen Freund selber rupfen. 

Mortensen hat Camus gespielt in Den Menschen so fern, dessen Philosophie von der Fatalität des Todes und dagegen der menschlichen Solidarität, mit Rückgriff auf Zwischentitel zu Camus bei Wikipedia, scheinen in diesem Film von Mortensen zentral. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.