Das Grand Egyptian Museum – Ein neuer Palast für Tutanchamun (BR, Dienstag, 20. April 2021, 22.50 Uhr)

Storytelling. 

Das Stuttgarter Architektur-Büro, das mit der Gestaltung der Tutanchamun-Galerie des im Bau befindlichen Megamuseums bei Kairo betraut ist, verwendet für den Aufbau der Ausstellung den Begriff „Storytelling“ oder auch „Inszenierung“ als Antwort auf die Frage, wie eine Ausstellung spannend und informativ zu gestalten sei. Das ist überzeugend, werbewirksam und man würde schon gerne das bis heute nicht eröffnete Museum möglichst bald besuchen wollen. 

Dem Film von Sabine Scharnagle mangelt es allerdings deutlich an Storytelling. Das fängt schon beim Titel an. Nicht das ganze Projekt ist das Thema, es geht praktisch nur um den deutschen Beitrag, den das Büro bei einer weltweiten Ausschreibung gewonnen hat. Das hätte man vielleicht schon im Titel klären sollen. Desinformative Titel schmerzen den Zuschauern, bauen Erwartungen auf, die nur enttäuscht werden können.

Dann wäre es für den BR, einen öffentlich-rechtlichen Sender mit einem demokratischen Grundauftrag auch leichter geworden, auf die politischen Rahmenbedingungen dieses Prestigeprojektes der Generäle, wie es immerhin heißt, einzugehen. 

Respektvoll wird von der „Militärführung“ als Auftraggeber gesprochen. Ein öffentlich-rechtlicher deutscher Sender dürfte heutzutage – selbst bei einer so mittelmäßigen Reportage – beim Begriff Militärführung nicht stehen bleiben. Es müsste hinzugefügt werden, dass es sich um ein Propagandaprojekt handelt, ein sehr raffiniertes sogar, das alte Ägypten ist weltweit ein attraktiver Mythos, ein Propagandaprojekt einer Unrechtsregierung , die vertuschen will, wie sie mit Gegnern umgeht, wie sie Kritiker einfach ins Gefängnis wirft; wie sie die Demokratie mit Füßen tritt. 

So ein Beitrag dürfte nicht ausblenden, wie die Miliardenkosten des Projektes im Verhältnis zum Wohlstand resp. der Armut im Lande stehen. Solange da eine Diktatur ist, werden auch die Einnahmen aus dem Projekt nur der korrupten Elite zugute kommen; insofern ist es nicht angebracht, einen reinen Werbefilm dafür hier im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu zeigen. 

Wo sollen Diktatoren sonst lernen, dass ihr Tun von demokratischen Gesellschaften ganz genau beobachtet und entsprechend missbilligt wird. So aber gibt der BR zu vestehen, dass das, was die Militärrgierung in Ägypten mit Kritikern macht, eine lässliche Sünde sei, nicht weiter erwähnenswert, wir können mit Zwangsgebührengeldern gerne a bissl Werbung für so eine Diktatur machen mit einem Kulturhappen, der hier garantiert gierig verschlungen wird und dem altägyptischen Gold, das vom Tahir-Platz und seinen Folgen ablenkt und dafür sorgen soll, dass die Touristenströme wieder Geld für die Generäle ins Land spülen, damit sie Kritiker noch brutaler mundtot machen, gar ermorden und in Deutschland munter weiter Rüstungsgüter einkaufen können.

Schlimm, dass ich für solch miese Propaganda vom Staat gezwungen werde, Zwangsgebühr einzuliefern. 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.