Das letzte Land

Verdammt genrelike

und gemäldehaftes Kino wie selten in Deutschland, besonders wenn es um den Gasplaneten geht, gibt es Farbexplosionen, die an die Bildflächen großer deutscher Renaissancemaler erinnern (Grunewald, Cranach, Dürer, Altdorfer). 

Das ist schon was, das Marcel Barion dank Crowd-Funding und den beiden Protagonisten Torben Föllmer und Milan Peschel und einer endlosen Begeisterung für Lichteffekte in nicht natürlich beleuchteten Räumen auf die Beine gestellt hat. 

Adem (Torben Föllmer) und Novak (Milan Pesl) finden sich im Nirgendwo des Weltraumes in einem Schrottraumfahrzeug im Sinne eines ergiebigen Sci-Fi-Filmromantizismus wieder, Romantizismus nicht zwischen den beiden Figuren, sondern technisch-tüftlerischer Art mit bunten Signallichtern allerorten. 

Die beiden Raumfahrer haben ihre Gesichter geschwärzt wie in einem Kriegs- oder Kohlegrubenfilm, prima Effekt auf der Leinwand und verleiht großen Augen Strahlkraft zum ruhigen Spiel. 

Vielleicht wohnt der Idee zum Film das Vorbild Gravity inne, zwei Menschen allein im Weltraum; hier aber sind sie vor allem wie in einem Kammerspiel in einem beengten Schrott-Raum.

Mein Problem mit dem Film ist allerdings das Narrative. Das ist auf Treibsand gebaut. Es gibt spärlich und teils sehr spät eingestreut biographische Einsprengsel, es gibt auch mal ein Gespräch über Frauen, aber das reicht nicht aus als stabile Bühne für ein Drama, also für eine Spannung. 

Der Film wirkt vielmehr wie eine Aneinanderreihung von indefiniten technischen Problemen und den Lösungsversuchen der beiden Akteure. Irgendwo ist ein Loch und ein Schacht und die Taschenlampe ist runtergefallen und ein Dialog geht so: „Warum machst Du das?“, die Antwort: „Weil es so gemacht werden muss“. Das ist leider typisch deutsch, die mangelnde Drehbuchkultur, insofern mag man es dem Macher gar nicht vorwerfen. Sie hängen förmlich im luftleeren Narrationsraum. 

Es gibt zwar existentialistische Einwürfe, aber auch die reichen nicht aus, eine absurd-surreale Situation herzustellen wie bei Becketts Existenzlowns aus „Warten auf Godot“, da ist zu viel konkreter Technikkram als Signal an eine Realität da, was dem Abstrakten reiner Existenz-Philosophie zuwiderläuft. 

Es fehlt auch, und ist wohl gar nicht intendiert, an psychologischer Durchdringung des Verhältnisses der beiden Männer. Ebensowenig unerscheiden sie sich von der Sprache her. Ja sie stammen sogar, so wie sie sprechen und denken, aus dem exakt selben Milieu, müssen praktisch den identischen regional-kulturellen Background haben; insofern ist auch eine solchermaßen geartete Spannung, da es an weitergehender Charakterisierung fehlt, nicht möglich. 

Andererseits fehlt es meist auch bei den technischen Dialogen an Plausibilität. An einer Stelle heißt es, eine Sache müsse innert 30 Sekunden erledigt werden; es fehlt aber die Story drum herum, die von diesen 30 Sekunden gefährdet sein könnte. 

Aus den Dialogen: „Ich glaube nicht, dass das der richtige Weg ist“. Oder: „Das ist nicht gut für Dich“ oder „Hast Du die Lampe?“ „wozu brauchst Du die denn?“ . „“Komm mal nach vorn“. — es gibt keine Reibung zwischen den beiden, keine ausgetragenen Konflikte, allenfalls behauptetes Misstrauen, aber die Dinge sind nicht ausgearbeitet (also das Drama). „Mir ist die Taschenlampe runtergefallen“. –“Was hast Du denn da aufgeschrieben“. Es folgt ein unergiebiger Dialog über eine Zahl. Und wieder: „Warum machst du das?“…“Was soll das?“, „Was machst Du?“

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