Silver Skates (neueste Meldung: der Film hat am Sonntag, den 11. April um 20.30 Uhr Premiere im Sommernachts Autokino in Tübingen, deutschlandweit einzige Lockdownpremiere!)

Kaltes Feuer 

spielt in diesem Film von Michael Lockshin nach dem Drehbuch von Roman Kantor eine doppelte Rolle. 

Bei der Verkündung einer arrangierten Hochzeit zwischen der adeligen Tochter Alice (Sonya Priss) aus der feinsten Petersburger Gesellschaft um 1900 mit dem Grafen Arkadiy (Kirill Zaytseve) benutzt es ein französischer Magier als Beweis dafür, dass die beiden für einander gemacht sind, indem er die Hände ins Feuer legt, ohne sie dabei zu verbrennen. Die Braut aber legt den faulen Zauber offen, denn sie studiert heimlich Chemie, sie weiß, welche Verbindungen es braucht, damit so ein Feuer entsteht und sie schafft so den Skandal in ihrer Umgebung, die ihr verbietet, Chemie in Paris zu studieren. Hier gibt es eine Erinnerung an den Film über Madame Curie.

Der Film ist klassenkämpferisch, er spielt zwischen der aussaugenden Zarengesellschaft und dem ausgebeuteten Proletariat – und das malerisch, schwelgerisch, episch, opulent wie opulent sein kann in der Art eines üppigen Genusskinos, das sich von den Reizen von Ausstattung und Kleidung der jeweiligen Gesellschaftsschicht verführen lässt. 

Das winterliche Petersburg zur vorletzten Jahrhundertwende wird mit allen Mitteln, die das moderne Kino kennt, kinoattraktiv revitalisiert. 

Auf der Seite der Ausgebeuteten steht Matvey (Fedor Fedotov). Er ist der Sohn eines lungenkranken Laternenanzünders; es ist die Zeit, der beginnenden Elektrifizierung. Er ist, was heute in Coronazeiten gefragt ist, Austräger von Essen und zwar mit Schlittschuhen, ein Skater mit dem Essenpaket auf dem Rücken. 

Matvey verliert seinen Job wegen einer Straßenblockade für die feine Familie, mit der er schicksalshaft noch in Kontakt kommen wird, er wird die Variante von Mann sein, bei dem die Liebe zu Alice und vice versa zu heißem Feuer sich entwickeln wird, zuständig für das Romantic-Comedy-Element. 

Das Schlittschuhlaufen wird hier nicht nur für spektakuläre Verfolgunsjagden sorgen, es ist die Qualität, die Matvey auch zu einem neuen Job verhelfen wird und zu all den Verwicklungen, durch welche er plötzlich mitten in der feinen Gesellschaft landen wird und Alice begegnet. 

Kompaktes Storytelling: der für Alice ausersehene Bräutigam ist ausgerechnet bei der Kriminalpolizei, die sich um die schlittschuhlaufende Taschendiebesbande kümmern soll, die Matvey aufnimmt. 

Bei der Taschendieberei und ihren elaborierten Diebestechniken fällt einem „Pickpocket“ von Robert Bresson ein, der hier mitschwingt, wenn auch swingender, bunter und nicht ganz so streng, mehr mit dem Spaß an der Action. 

Es ist die alte Geschichte vom Klassenkampf, von der marxschen Erkenntnis der Ausbeutung durch das Kapital und dass das Proletariat sich das, was die Reichen geklaut haben, auch wieder zurückholen darf mit einer elementaren Berechtigung, die nichts mit Diebstahl zu tun hat. 

Es ist ein Film, der auf das heutige Russland direkt übertragbar ist, wenn man sich die Bilder von Putins Protzpalast vergegenwärtigt. 

Leicht verdauliches Genusskino, spannend und mit Showelementen durchsetzt plus Action, eine Augenweide, ein Film, der unbedingt in Kino gehört.

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