Was geschah mit Bus 670?

Visueller Furor.

Mexikanisches Mural mit feinsten Kamera- und Montagemitteln, freskenhaft, fragmentarische Bilderzählung, eine Illustration der verkommenen Gesellschaft von Mexiko, wo ein Menschenleben nichts zählt, wo Menschen aus Bussen heraus gekidnappt, getötet oder anderweitig verwendet werden. Dokumentarisch eindrücklich erzählt der Film Vivos davon. 

Hier im Film von Fernanda Valadez, die mit Astrid Rondero auch das Drehbuch geschrieben hat, geht es fiktional ebenfalls um einen Busüberfall und dem Verschwinden der Fahrgäste. 

Eine Frau mit dem schön biblischen Namen Magdalena (Mercedes Hernández) macht sich nach dem Verschwinden ihres noch nicht volljährigen Sohnes, der mit seinem Freund, sich nach Amerika aufmachen wollte, auf Spurensuche nach ihm.

Dabei lässt die Regisseurin der Kamerafrau Claudia Becerril Bulos genügend Freiheit zum Entstehenlassen von Stimmungen, zum Erstellen eindrücklicher Porträtbilder der Hauptpersonen vor malerisch unscharfem Hintergrund. 

Zum Beispiel wird eine Augenärztin, die auch mit dem Thema befasst ist, nicht so plump im weißen Kittel in ihrer Praxis eingeführt; ihr Beruf wird mit Nahaufnahmen von einer Augenoperation vorgestellt, ein Dialog im Off ergänzt den Rest. Au, das kann an die Schmerzgrenze gehen. 

Der Film sucht immer die visuelle Schmerzgrenze zur Bebilderung des Tatbestandes der Rechtlosigkeit in Mexiko. Das ist nie Realismus, nie Naturalismus, nie TV-Realismus, das ist immer künstlerisch, das ist immer das große Wand- und Leinwandgemälde. 

Es ist ein Film, den das Narrative wenig interessiert. Er labt sich an den Bildern der Verzweiflung, der einsamen Suche dieser Frau – in teils großartigen Kinolandschaften. 

Es gibt Einblicke in die verbrecherische Szenerie Mexikos; Leichen in Säcken in LKWs verladen, von Massengräbern und Exhumierungen ist die Rede, Leichenidentifikation als Augenzeuge oder per DNA-Probe kommt vor; man bekommt Einblick in den Opferbearbeitungsapparat: Bilder von Gegenständen, die bei den Leichen gefunden wurden, werden gezeigt. 

Es seien aber auch Opfer verbrannt worden. Darüber gibt es nur sehr ungewisse Auskunft; in nicht untertitelter indianischer Sprache mit gänzlich verschwommenen Bildern dazu – was das Ausmaß des Verbrechertums nur noch deutlicher macht. Es warten weitere Schocks auf die Zuschauer. Oder er erlebt das Zermürbende einer Grenzquerung aus den USA zurück nach Mexiko. Eine aufwühlende Bilderwelt. 

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