Infection

Realismo/Verismo venezolano.

Kein Wunder, wurde der Film im Lande seiner Herstellung, in Venezuela, verboten. Bindet doch Flavio Pedota, der mit Yeimar Cabral auch das Drehbuch geschrieben hat, seinen eh schon souveränen Zombie-Film ein in die venezolanische Realität. 

Eine Reihe von quasi dokumentarischen Interviews befragen Einwohner des Landes, die auf der Flucht oder geflohen sind. Im Film referiert die Frage offiziell auf das Virus, eine Mutation des Tollwut-Virus, die die Menschen zu Zombies werden lässt; deshalb verlassen endlose Kolonnen von Menschen das Land. 

Das passiert allerdings aktuell auch realiter, nur ergeben Schlagzeilen der letzten Tage (im März 2021) andere Hinweise: „Heftige Gefechte an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela“, „Tausende fliehen vor Kämpfen“, „Schwere Gefechte zwischen Armee und bewaffneter Gruppe in Venezuela“, „Venezuela: Diktator Maduro ist ein Mörder“. 

Dieser Nexus zu einer chaotischen Realität in einem Land, von dem wir hier zusehends das Bild eines zusammenbrechenden Staates haben, macht den Film so brisant. Wir halten ihn für problemlos real; uns wundert nichts mehr über das Land, aus welchem mehr Horrornachrichten als Filme kommen. 

Pedota macht also nicht einen Zombiefilm um des Zombiefilmes willen. Er übt böse Kritik an Venezuela. Er folgt seinem Hauptdarsteller Adam Vargas (Rubén Guevara), einem jungen Mann, der ein traumhafter Arztdarsteller in jeder Daily-Soap abgäbe. 

Adam ist Molekularmediziner. Seine Frau ist vor kurzem gestorben. Er schickt seinen Sohn zu den Großeltern aufs Land, da die Pflicht ihn zu der neuen Infektions-Epidemie ruft. 

Pedota wechselt wohldosiert zwischen wilden, hektischen Action-Szenen mit ruhigeren, reflektierten ab, setzt zielbewusst Drohnen ein und seine Zombies sind besonders gefährlich, weil sie athletisch, meist exzellente Sprinter sind und es nicht leicht ist, ihnen zu entkommen. 

Selbstverständlich müssen die Infizierten erschossen werden, da führt kein Weg dran vorbei, auch wenn es der nächste Verwandte ist. Brutal. Brutal. Brutal nah an der Realität. 

Und Horror comme il faut, wie der Doktor sich mit einem Häuflein Vertrauter durch das Chaos kämpft, in welchem auch das Militär ruchlos mittut. Da loben wir uns doch unser Pandemielein in Deutschland, das uns sogar zusätzliche, gemütliche Osterruhetage hätte verschaffen sollen. 

Und dann der versöhnliche und hoffnungsvolle Satz: „Die Natur reguliert sich selbst; sie findet immer einen Weg“. Wie in Venezuela aktuell Benzin zu beschaffen ist, erfahren wir auch noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.