Parfüm des Lebens – Les Parfums

Charmante Nase.

Eine „Nase“, ist in diesem Film von Grégory Magne zu erfahren, ist ein Mensch mit einem besonders sensiblen Riechorgan, eine Eigenschaft, die sich die Parfümindustrie zunutze macht, aber auch Läden oder Fabriken, die unangenehme Gerüche mit Hilfe von Nasen-Spezialisten neutralisieren wollen. 

Anne Walberg ist so eine Nase. Sie wird gespielt von Emmanuelle Devos. Ihre Besetzung, ihr Spiel, ihre Herrichtung und Ausstattung dürfte einer der ersten kalkulierten Coups von Grégory Magne gewesen sein. 

Emmanuelle Devos ist eine bildhübsche Frau. Aber nicht auf Charme- und Verführungsspiele inszeniert. Sie ist eine eindrückliche Frau für sich, die sich ganz den Düften und Gerüchen widmet, vollkonzentriert. Das ergibt eine bannende, andere Ausstrahlung und Leinwandwirkung als Vampfrauen haben, die quasi ständig ihre Leinwandwirkung im Auge behalten müssen. 

Anne Walberg ist eine Nase, die einst Parfüms für Dior kreierte, ein Star der Branche. Da das vorbei ist, muss sie sich jetzt als Soloselbständige mit Einzeljobs verdingen. Abkassiert wird sie von ihrer Agentin Jeanne (Pauline Moulaine). 

Ein Beispiel dieser Jobs: sie soll für den Nachbau einer Höhle mit Steinzeitzeichnungen den Geruch analysieren und rekreieren. Immerhin kann sie sich noch einen Limousinenservice leisten; ihr Koffer mit den Riechfläschechen und -müsterchen ist kostbar. 

Hier kommt Gustave Kervern als Arsène ins Spiel, der Limousinen samt Fahrer verleiht. Mehrere hat Anne schon verschlissen. Arsène versucht es diesmal mit Guillaume Favre. Den spielt Grégory Montel als Komiker mit zwar diesen etwas aufgerissenen Augen, aber sonst am untersten Limit der leichten Differenz zum Alltagsrealismus, gerade richtig verhalten, dass er Daueraufmerksamkeit garantiert. 

Auch hier ist das Kalkül jederzeit ablesbar. Das ist eines der Elemente, die dazu beitragen, dass einen die 100 Minuten Kino so in ihren Bann ziehen, dass man die Corona-Misere rund ums Kino herum mit der Maskenpflicht (was auch schlecht für den Riechsinn ist) vergisst. 

Wobei der Hauptpunkt der sein dürfte, dass Grégory Magne mit dieser französischen Glasklarheit erzählt und zwar als konstruiert und erfunden, das ist vielleicht das Geheimnis dabei, dass der oft Zweifel säende Satz „nach einer wahren Begebenheit“ vorsätzlich ausgelassen wurde, so dass der Zuschauer nie sich im Regen stehengelassen fühlt. 

Auch Guillaume wird als schwieriger Charakter eingeführt, der gerade einige Probleme zu bewältigen hat, er streitet mit seiner Frau um das Sorgerecht für das zehnjährige Töchterchen Léa (Zelle Rixhon), dafür braucht er eine größere Wohnung und ein geregeltes Einkommen; beides steht auf der Kippe, weil die Punkte, die er bei der Verkehrrsünderkartei angesammelt hat, in die bedrohliche Nähe des Führerscheinverlustes steigen. 

Das sind exzellente Ausgangspositionen für eine weitere, prächtige und gleichzeitig subtile Komödie auf dem Boden der französischen Filmkultur. 

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