Martin Eden

Martin Eden (Luca Marinelli) ist ein verdammt gut, verdammt männlich, verdammt filmogen aussehender junger Mann aus ärmlichen Verhältnissen. Er war im Krieg. Der ist vorbei. Der Krieg – und sicher auch das Herkunftsumfeld – haben ihm den Bildungsweg vermasselt. Er hat gerade mal die erste Klasse besucht. Das reicht, um lesen und schreiben zu können. 

Martin Eden arbeitet als Matrose. Unter einem Auge trägt er eine deutlich sichtbare Narbe, was ihn nur noch verwegener und abenteuerlicher aussehen lässt. Darauf angesprochen erwidert er, derjenige, mit dem er gekämpft habe, der humple jetzt. 

Regisseur Pietro Marcello, der mit Maurizio Braucci das Drehbuch nach Jack Londons berühmtem, teils autobiographischen Roman geschrieben hat, kommt schnell zum Kern der Sache. Er zeigt Martin Eden nachdenklich auf einem Schiff mit Gekritzel oder Büchern. Hiermit wird sein geistig-literarisches Element präsentiert. 

Einem jungen Mann hilft Martin aus einer Schlägerei wieder auf die Beine. Es ist Arturo (Giustiniano Alpi). In der Rettungsaktion kommen Beherztheit und Herzlichkeit von Martin zur Geltung. Arturo bringt seinen Retter zu sich nach Hause. Reiche italienische Familie vom feinsten. 

Mit der Schwester von Arturo, Elena (Jessica Cressy), kommt das Thema Frau, aber auch Bildung, wenn auch spät, in den Film. 

Somit sind die ersten Zutaten da, die bald schon den Entschluss in Martin reifen lassen, Schriftsteller zu werden, den er sich auch nicht nach unendlich vielen Rücksendungen von Verlagen und Zeitungen ausreden lassen will. 

Auf dem Weg zum Schriftsteller spielt seine Schwester Giulia (Autilia Ranieri) eine Rolle. Bei der und ihrer Familie wohnt Martin anfänglich. Mit dem Entschluss zur Schriftstellerei zieht er aufs Land zur herzlichen Maria (Carmen Pommella). Hier kann er lernen, lesen, hilft in der Landwirtschaft mit, unterrichtet Kinder. 

Spencer und seine Evolutionstheorie ist für Eden als sozial engagiertem Autor ein Schlüsselthema, auch im Zusammenhang mit Streiks von Gewerkschaften.

Eine weitere entscheidende Figur mit konkreten Ratschlägen und Hilfsstellungen ist Russ Brissenden (Carlo Cecchi), ein alter Intellektueller, der ihm klar macht, dass er die Geschichten in seiner Umgebung, bei den Menschen findet. 

Gegen die schwierige Liebe mit der Industriellentochter bietet sich ein einfaches Mädchen aus seinen Kreisen an. 

Marcello erzählt die Geschichte episch und flüssig. Die Bilderwelt verfremdet er zu einer von anno dunnemals mit offenbar gar nicht zu komplizierten, aber umso charmanteren Bearbeitungseingriffen, die sich nicht verstecken, so dass ab und an klar wird, dass im Heute gedreht wurde, was aber der Faszination dieses Coming-Outs eines Schriftstellers bis zu traumhaften Erfolgshöhen inklusive geplanter Lesereise nach Amerika keinen Abbruch tut. 

Auf Zeitangaben verzichtet das Drehbuch fast ganz. Der erste Satz, den Martin noch als Matrose beschäftigt, dass der Erbauer der Freiheit (also der Literatur) doch deutlich wichtiger sei, als zB der Architekt eines Gefängnisses, ein Thema, was in allen Entscheidungen, die Martin im Laufe des Filmes treffen muss, den Ausschlag gibt. 

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