Fraueng’schichten (BR, Freitag, 19 März 2021, 22.05 Uhr)

Öffentlich-rechtliche Zwangslache

Ein schnelles Mundwerk hat die Protagonistin Angela Ascher und unter Kabarettspielen versteht sie, verschiedene Kostüme und Perücken tragen und darunter Text und Mimik zu produzieren. 

Der BR muss sparen, an Zuschauern, an Geist, das belegt diese Sendung.

Zum Glück hat der BR Tonkonserven von Anlässen, die offenbar Stimmung im Saal verbreitet haben. Und so wird jedes Mal, wenn die Redaktion vermutet, dass eine Pointe gefallen ist, ein Megaapplaus eingespielt, der so gar nicht passt zu den spärlichen sieben oder so Zuschauern, die reglos und unanimiert dasitzen. 

So soll der Dööfste in Bayern merken, dass hier die Post abgeht mit Klischees, auf denen man nur dauernd ausrutschen kann: die schwatzhafte Taxifahrerin, die gestresste Mutter mit den zwei verwöhnten Töchterchen und dem Problem des Homeschoolings (substanzlos ausgewalzt), der alte Vater, die alte Mutter, die nur stören, die Werkstoffhof-Dicke (da haben Kostüm und Maske mächtig zugelangt), die depperte Managerin, die graue Kirchenmaus mit dem Landpfarrer (Billigveräppelung von indischem Akzent) und die Hausfrau, die sich als Showstar sieht und auch nur eine miserable Nachahmerin ist. 

Es ist dies ein Kabarett im Sinne des Manchester-Kapitalismus, des digitalen Klick-Kapitalismus oder der verkrampften öffentlich-rechtlichen Quotensucht; es zählen die zahlenden Zuschauer in den Hallen oder die Massen der am TV einschaltenden Zuschauer oder die Klicks im Internet. Hier unterstützt der BR ein rein profitorientiertes Einfrau-Unternehmen – zusätzlich mit Werbeschaltung in der Zeitung. 

Dabei verkennt der BR, dass das (auch weil die Bayern vornehmlich als Deppen dargestellt werden) so gar nichts mit seinem Grundauftrag zu tun hat, wobei er den Zwangsgebührenzahlern mit dem Zwangsapplaus grad so gar nicht zum Lachen bringt. Offenbar die gerechte Strafe für den eh schon coronagebeutelten Zwangsgebührenzahler.

Es scheint dies eine forcierte Anstrengung zu sein, um der längst dahinsiechenden Unterhaltungsabteilung den Anschein wenigstens von künstlichem Koma zu verschaffen. Dies gelingt immerhin, aber: cui bono?

PS: der BR preist die Sendung als bissig an; er sollte korrigieren: kukidentbissig. 

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