Carmilla (VoD)

Reine Freundschaft und die ‚Wüste öder Ewigkeiten‘.

Der Begriff Coming-of-Age für diesen sensiblen Film von Emily Harris nach einer Idee von Sheridan Le Fanu ist zu schnöde für diese in exzellenter Erzählökonomie und in die Reinheit eines perfekten Kostümfilmes verpackte Geschichte des Erwachens der Gefühle von Lara (Hannah Rae). 

Emily Harris will der Entwicklung dieser Gefühle in Reinkultur nachspüren. Sie isoliert ihre Protagonistin Lara in einem vornehmen Gehöft mit einer Vaterfigur, Mr. Bauer (Greg Wise), und der Zofe oder Gouvernante Miss Fontaine (Jessica Raine), die nicht nur streng auf das Abbinden des linken Armes achtet, da die junge Frau Linkshänderin ist, sondern nebst der körperlichen auch die seelisch-emotionale Entwicklung genau unter Kontrolle haben will. 

Auf der Dienerseite gibt es die schwarze Hausangestellte Margaret (Lorna Gayle) und den Knecht Paul (Daniel Tuite). 

Der angekündigte Besuch und geplante längere Aufenthalt einer jungen Frau aus der Stadt beflügelt Laras Fantasien reiner Freundschaft, der Hoffnung auf ein Alter Ego, das hilft, die Einsamkeit des Heranwachsens mit den schönsten Träumen zu überwinden, zu teilen, der Zeit, in der Literatur (und verbotene Bücher) antörnen, der Zeit, vor der ‚Wüste öder Ewigkeiten‘. 

Wie hoch und intensiv diese Erwartungen sind, zeigt Laras Enttäuschung auf die Nachricht, dass der Besuch wegen einer Erkrankung des Mädchens nicht stattfinde. Ein Brief bringte diese Info ins Spiel. Es ist die Zeit noch vor der Elektrizität, die Zeit der Kutschen und auch der Briefe und Bücher. 

Der Unfall einer Kutsche im Bereich des Gutes bringt Carmilla (Devrim Lingnau) auf den Hof. Die junge Frau, wie ein Ebenbild von Lara, ist erst bewusstlos, sprachlos. Dass sich zwischen den beiden Frauen, die fast klassisch-idealistisch-romantische Jugendfreundschaft entwickelt und dass das behutsam, Schritt für Schritt erzählt wird, ist nicht zu viel verraten. 

Gegen diese aufkeimende Beziehung aber wehrt sich das Personal. Dessen Sanktkionen sind hart, brutal, irrational. 

Emily Harris inszeniert das mit einem exquisiten Cast und die deutsche Snychronisation ist angemessen sorgfältig. Allerdings könnte ich auf die immer wieder reingeschnittene Symbolik von Marienkäfern, Würmern, Ameisen, Aaskäfern gerne verzichten; die Geschichte wäre auch ohne so verständlich wie großartig.

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