Sich aus den Klauen der lieben Mitmenschen befreien.
Ach herrje, ist man beim Titel versucht zu sagen, schon wieder ein Hochzeitsfilm. Hochzeitsfilme sind offenbar in diesen unsicheren Zeiten (auch von Corona) angesagt. Nach Hello Again, Der Boandlkramer und die ewige Liebe, Es ist zu Deinem Besten.
Und dann erwärmt man sich ziemlich schnell, ja vom ersten Moment an für diesen Film von Icíar Bollain (El Olivio, Und dann der Regen), die mit Alicia Luna auch das Buch geschrieben hat.
Vom ersten Moment an gewinnt die gehetzte Rosa (Candela Pena) einen; gleich mit ihrem Alptraum vom Marathon, bei dem nur einzelne Zuschauer an der Strecke stehen, sie aber persönlich anfeuern. Was der Symbolgehalt dieser Szene ist, wird sich im Folgenden zeigen. Sie läuft jedenfalls nach dem Ziel einfach weiter und weiter in die spanische Landschaft hinein.
Ein Valenciafilm. Rsoa arbeitet als Schneiderin und Näherin in der Kostümabteilung beim Film. In der aktuellen Produktion geht es – logischerweise, da es sich doch offensichtlich um einen Hochzeitsfilm handelt – um eine Hochzeit und in ihrem Job um Brautkleider.
Wird Rosa beim Job am Set schon ständig von allen Seiten gerufen und gebraucht, so steigert sich das noch beim Verlassen des Studios. Ständig kommen Meldungen von ihren Kindern, in einer verwaisten Wohnung soll sie die Blumen gießen, eine Katze erhält sie zur Pflege und der Papa will gleich bei ihr einziehen.
Es stellt sich heraus, Rosa ist von drei Kindern die einzige, die nicht verheiratet ist. Sie hat zwar Tochter Lidai (Paula Usero), die ist in England mit einem Jon verheiratet; aber die ist gerade dabei durch das Scheitern der Ehe wieder in die Obhut der allzeit bereiten und allzeit herzlichen und allzeit fürsorglichen und allzeit hilfsbereiten Mama sich zu begeben.
Die Ehen ihrer beiden Geschwister Armando (Sergi López) und Violeta (Nathalie Poza) sind auch in Zerwürfnis, hinzu haben beide Geld- und Jobprobleme. Da fasst mitten in diesem Marathon Rosa den einsamen Entschluss stante pede auszusteigen und ihre eigene Show zu machen, wenn man so will.
Sie verlässt Valencia und fährt in den Vorort Benicassim hinaus. Dort gibt es noch das von der verstorbenen Mutter betriebene Schneidergeschäft. Es steht leer. Das will sie als Atelier und Laden nutzen. Aber das ist nicht der tiefere Sinn des Filmes. Das ist derjenige, dass sie heiraten will. Geschockt sind die Leute erst, wenn sie fragen, mit wem und sie antwortet, mit sich selber.
Insofern nimmt der Film eine recht unverhoffte Wendung, besonders dann, wenn es um die Durchführung dieser klein gedachten Hochzeit geht; die Missverständnisse häufen sich zu einem herzerfrischenden Turm. Und legen dar, dass dieser Hochzeitsfilm eigentlich ein Prequel zu jedem Hochzeitsfilm sein sollte: erst muss der Mensch mit sich selbst im Reinen sein, bis er überhaupt erst zur Partnerschaft fähig ist. Das zeigt der Film nicht nur herzerfrischend, herzerwärmend mit einem wunderbaren Cast, auch die besonders anfangs hektische Kamera hat immer ein Auge für malerische Bilder, was die Spanier seit Urzeiten und den Zeiten ihrer großen Maler offenbar im Blut haben. Der Film zeigt dem üblichen, bürgerlichen Hochzeitsfilm, was eine Harke ist.