Tanze Tango mit mir (ARD, Mittwoch, 10. März 2021, 20.15 Uhr)

Nach den ersten vielleicht 8 Minuten:

Die haben sich wirklich Mühe gegeben am Basteln von möglichst authentischen Szenen. Dadurch kommt das Ausstellen der schauspielerischen Performance allerdings nur schlimmer zur Geltung. 

Die Arrangements wirken zwanghaft; Der dicke Schwerenöter, der immer vorwurfsvoll in die Welt schaut, Frank (Michael Grimm); die Mutter, die eine Grande-Dame sein will, Ingrid (Gaby Dohm); es wirkt so erfunden; die Männer, die ihre Gattinen zum Schwimmen am Olympiastadion abliefern, in einer Reihe, alle Damen mit diesem Schwimmstängel aus Gummi; soll lustig sein. Die Trinkrunde mit so merkwürdig gecasteten Männern; der markierte Herzinfarkt. 

Die Ausländerthematik mit dem Vorurteil, der andere würde schwer verstehen und antwortet dann in besserem Deutsch als der ehemalige Bankangstellte Frank, der jetzt Pförtner bei den Kammerspielen ist; unwahrscheinlich, dass so einer als Kulissenträger arbeiten soll; das dürfte aus versicherungstechnischen Gründen gar nicht erlaubt sein. Da aber just das ihn mit dem rettenden Tango zusammenbringt, steht die Geschichte so schon auf wackligen, unglaubwürdigen Füßen.

Dann der Blick in einen leeren Raum; die Darsteller gehen zwei Schritte, Schnitt: der Raum ist voll mit Tangoleuten. Verwirrschnitt. 

Es scheint, als ob die Macher (Buch: Peter Güde, Matthias Fischer, Regie: Filippos Tsitos – an denen wohl Claudia Simionescu als Zwangsgebührentreuhänderin ihren Narren gefressen haben muss, da sie Zwangsgebührengelder für die Produktion freigegeben hat); Autoren und Regisseur scheinen geckeckt zu haben, wie man beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk an die Töpfe kommt.

Einschub Kieseritzky. Diese TV-Bastelarbeit erinnert mich an eine Kurzgeschichte von Ingomar vom Kieseritzky, einen Essay über einen Autor, der unbedingt Literaturpreise gewinnen will und der Juryentscheidungen genau studiert und dementsprechend einen Text konstruiert. Hier geht es darum, einen Drehauftrag bei einem öffentlich-rechtlichen Sender zu ergattern – und also die Vorlieben der Redakteur*innen zu erkunden.

Darsteller mit Kommentiertendenz, zB Gaby Dohm, wenn ihr Schwiegersohn Frank über die Treppe an ihr vorbeigegangen ist, während sie auf dem Treppenabsatz sitzt (wieso?), da wirft sie ihm mit dem Kopf einen gestischen Kommentar hinterher, der wenig sinnstiftend ist. 

Ausländerthema muss rein, Gesundheitsthema, Herzinfarkt, Arbeitsthema, Theater kommt immer gut beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, Abteilung Fernsehspiel, wenn dann noch Schwanenkulissen vor der Kamera vorbeigetragen werden, war ja auch in x Filmen charmant, und das Dick-Mensch-Thema … das kommt einem thematisch alles so erfunden vor, als ginge es nur darum, die entscheidende Rundfunkredakteurin zu bezirzen. 

Mein Rechner hat sich nach wenigenMinuten geweigert, dieses Konglomrat weiter herunterzuladen. 

Ok, vermutlich wird der Tango dem Theaterpförtner Fitness und Lebensfreude zurückbringen, ihn heilen, was alle seine drei Frauen im Haushalt (Schwiegermutter, Frau, Tochter) zu leisten nicht imstande sind. 


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Das waren meine Notizen nach weniger als zehn Minuten schauen. Später war mein Rechner doch noch gnädiger. Am Befund der Flickschusterei des Storytellings, an den enormen filmerzählerischen Kompetenzmängeln, an der ungepflegten Sprachperformance, am Eindruck, dass Casting hier ein x-beliebiger Griff in die Darsteller-Kartei ist, am Auswalzen der Tangoszenen hat sich nichts geändert. Auch nicht am Eindruck, dass Michael Grimm vor allem ein Poseur ist; was beim Tango nicht funktioniert, wenn einer seinen (markenstiftenden) Ressentiment-Ausdruck im Gesicht beim Tango nicht ablegt, da mögen die Schrittfolgen noch so brav eingeübt sein. 

Zu allem Überfluss muss auch noch das Thema mit der Wohnungskündigung reingepresst werden, die Idee mit dem Hausbau und die entsprechende Banker-Szene, ein Themengewürge und -geworge, ein zusammengewürfeltes Protagonisten Ehepaar (Gattin: Eva Meckbach; die beim Beobachten des Schlusstanzes als einzige einen Moment Wahrhaftigkeit in den Film bringt; indem in ihr ein Erkenntnisprozess vor sich geht), dem man auch die einst gewesene Liebe nicht abnimmt, ein fauler Gag mit Hundefutter im Quiche, es scheint alles nur deshalb erfunden, weil es sich woanders schon bewährt hat; so wird reiner Kitsch, da die Konflikte weder analysiert noch ausgetragen werden, die Figuren stolpern lediglich von einem Problem ins nächste, das ist nicht spannend, nur tumb und abgelutscht; immerhin habe ich mir das pflichtbewusst bis fast zu Ende geschaut; oh je und dann muss noch eine Szene mit der neuen Lehrerin reingepresst werden, die den Frank vom Tango her kennt, und so weiter und so unlustig aneinandergereiht. 

„Der hat mir nie die Tür aufgemacht, wenn ich ausgestiegen bin.“ 

Dann Witze über den 50. Geburtstag, was alles nichts mit den Hauptfiguren und ihren Problemen zu tun hat. Zu allem Elend noch eine Ausstattung, die, was die Wohnräume betifft, so ausgestellt geschmacklos ist, dass die Figuren, die darin spielen müssen, direkt denunziert werden. 

Falls der Film sich überhaupt ein Thema gestellt hat, so hat er es keinesfalls ernst genommen; aber das Thema, so es eines gab, war ja nur der Vorwand, etwas zu tun zu haben, Geld vom Zwangsgebührenhaufen aufs eigene Konto zu übertragen, ohne angemessen Gegenwert zu liefern. 

Misslungene Absicht eines Botschaftsfilmes. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. 

Zäh wie Kaugummi runtergenudelter Fernsehmampf aus abgelutschten, beliebig austauschbaren TV-Versatzelmenten, ein verschusselter und verkitschter Plot mit Fehlbesetzung des Protagonisten. 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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