Lebenslinien: Sushila und ihre drei Mütter (BR, Montag, 22. Februar 2021, 22.00 Uhr)

Toilette am Ende des Ganges,

der Satz gewinnt in diesen gründlich verunglückten Lebenslinien von Constanze Hegebusch immerhin Bauerntheater-Pointenqualität, denn er ist doppeldeutig, weist auf die Herkunft der Protagonistin aus Indien hin; wenn der deutsche Genitiv zum indischen Nominativ und damit zum berühmten Fluss wird. 

Diese Lebenslinien sind doppelt verunglückt. 

Zum einen durch den dramaturgischen Aufbau, der alles, was wichtig ist, also das Elementare, das Thema, vergeheimnisst, nämlich, dass die Protagonistin Schauspielerin ist und in BR-Produktionen mitspielt, mithin, dass diese Lebenslinien eine von den PR-Maßnahmen des Senders sind; 

aber auch durch das Storytelling, das immer nur labert und labert und labert und erklärt, das die Schauspielerin zu viel über sich selbst reden lässt (das sollten Schauspieler prinzipiell lieber bleiben lassen; außer sie erzählen Anekdoten) –

und zum anderen durch die Regie; der Regisseurin scheint das Händchen für den Umgang mit den Darstellern zu fehlen, diese wirken so, als ob sie nach Anleitung spielten (so ein fantatisches Regiehändchen haben wir zuletzt in den Lebenslinien: Einsatz in den Bergen gesehen). 

Das ist schade für die Protagonistin, die spannendere Lebenslinien verdient hätte, denn ihr Leben ist durchaus erzählenswert; es geht dabei auch um Rassismus, ein Thema, was nur fußnotenhaft gestreift wird und insofern für einen öffentlich-rechtlichen Sender, dessen Grundauftrag die Demokratie ist, verfehlt behandelt wird. 

Geboren wurde Sushila in Kalkutta. Ihre Mutter war sterbenskrank und kommt mit dem 2-jährigen Mädchen in die Sterbeklinik von Mutter Theresa. Wie die Mutter stirbt, kümmern sich die Schwestern um eine Adoption des Kindes. 

Mit drei Jahren kommt das Mädchen zu Adoptiveltern ins Allgäu, hat von einem Tag auf den anderen ein älteres Schwesterchen und steht fortan unter dem ständigem Druck, die Adoption der Eltern als geglückt zu beweisen. 

Constanze Hegebusch schildert das so dröge, als ob sie eine Akte von hinten her studiert, so dass man sich ständig fragt, muss ich das jetzt auch noch wissen, dass der Adoptivvater ein Betrüger war, dass die Protagonistin eine ausgeleierte Ehe hinter sich hat und in der aktuellen Ehe mit zwei Buben glücklich ist. 

Die Indienreise auf Zwangsgebührenzahlers Kosten hätte die Regisseurin sich sparen können, das Footage von dort ist nicht ergiebiger, als wenn sie dieses sich mit einer Skype-Schaltung beschafft hätte. 

Hat BR-Redakteurin und Zwangsgebührentreuhänderin Christiane von Hahn das Skript nicht gründlich gelesen oder war es ein Gefälligkeitsauftrag? 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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