The Red House (VoD)

Kollateralschaden einer Greenpeace-Aktion

oder: die Ivi in Ostgrönland im Clinch zwischen jahrhundertealter Jagdtradition und modernem Tierschutz, zwischen Subvention und Alkohol. 

Francesco Catarinolo stellt seinem Film die Info über die Ivi voran, dass ihre Tradition die Jagd war und die Folge einer Greenpeace-Kampagne der Zusammenbruch des Marktes für Robbenfelle. Dass Dänemark die Ivi nicht verhungern lassen konnte und sie deshalb subventionierte, gleichzeitig sie ihrer Lebensgrundlage beraubend. Das führte zu Alkoholismus und Suiziden. 

Catarinolo zeichnet wie in einer hingebungsvollen Reportage eine Momentaufnahme dieser grönländischen Gemeinschaft, die heute in geduckten Holzhäusern wohnt. 

Der zentrale Protagonist ist Robert Peroni, der sowohl deutsch als auch italienisch und die Sprache der Einheimischen spricht. Er ist als jugendlicher Abenteurer mit zwei Freunden nach einer Grönlanddurchquerung bei den Ivi gelandet. 

Peroni hat das titelgebende rote Haus gekauft und für die Jugend geöffnet, es zu einem Café und zu einem Hotel ausgebaut für einen exklusiven, nachhaltigen Tourismus, der den Einheimischen Beschäftigung gibt. 

Ein transsexueller Jugendlicher hat eine Selbsthilfegruppe mit Rollenspielen gegründet gegen die Verzweiflung der Jugend, den Alkohol. Auch das Thema Missbrauch in der Familie, das hier zur Kultur gehöre, wird zusehends angesprochen; das dürfte ein weiterer Grund für die vielen Selbstmorde sein. 

Der Film ist in prächtigen Kinobildern gedreht, der Landschaftsfan kommt bestens auf seine Kosten. Der Dokumentarist beobachtet auch Tobias, einen Ivi, der jetzt bei einer Behörde einen festen Posten hat und der nur noch hobbymäßig der Robbenjagd frönt oder wir sehen Peroni, wie er einer kleinen Touristengruppe den Gebrauch des Gewehres erklärt, denn einsam sich in die Eislandschaft hinauszubegeben, sei riskant. Bei der Begegnung mit Eisbären empfiehlt er, wenn nur noch 15 Meter Distanz sei, erst einen Warnschuss abzugeben, und falls der Eisbär sich nicht von dannen macht, dann mit richtiger Munition – und nicht in die Luft gezielt – abzudrücken. Es gibt Schlittenhunde zu sehen, Fischen durchs Eisloch oder Robbenjagd mit dem Kajak. 

Covid führt zu einer phobischen Situation, wie Peroni es nennt, er muss das Hotel schließen, Gäste sitzen für weitere Wochen fest, die Jugend kann nicht mehr in die Sporthalle. 

Für das Gesamtbild der Ortschaft wäre es hilfreich, noch ein paar Angaben zu erhalten, wie viele Einwohner hier leben, ob das Gemeinschaftsleben so dörflich ist, wie geschildert und ob der Anteil Transsexueller an der Bevölkerung so überdurchschnittlich hoch ist, wie es scheint.

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