Music

I am happy.

Die das im améliezauberhaften Film von Sia und Dallas Clayton (Drehbuch beide, Regie: Sia) sagt, ist eine KI-, eine Roboter-, eine Automatenstimme. Sia interpretiert das auf zwei konträr-expressive Weisen durch das Schwesternpaar Music (Maddie Ziegler) und Zu (Kate Hudson). Beide heben sich ab vom bürgerlich geregelten Lebens- und Bewegungsablauf.

Music, die Hauptfigur, ist hypersibel, hat meist Kopfhörer auf, die Welt um sie setzt sie in ihrer heiß gelaufenen und verspielten Fantasie sofort in fantastisch-abstrakte Choreographien um, sie verdreht die Augen, hat eine rege Gesichtsmimik und ist nicht ansprechbar auf die Regeln des bürgerlichen Rationalismus. 

Zu dagegen kennt diese Regeln sehr wohl und anerkennt sie durch Missachtung, was sich in Haarschnitt, gezielt schauspielerischer Expressivität, aber auch in ihrem Lebenslauf zeigt, Außenseiter, alkoholabhängig, keine gepflegten sozialen Beziehungen, kein gut angesehenes Milieu. Zu ihrer Oma Millie (Mary Kay Place) hat sie keinen Kontakt, obwohl doch ihre Schwester Music bei ihr wohnt. 

Es ist ein puppenstubenhaftes Glück, was der Film beschreibt mit feststehenden Figuren, die immer wieder auftauchen, der Nachbar George (Hector Elizondo), eine Fernsehkindersendung spielt eine Rolle, der Frisör, der dicke, chinesische Adoptivsohn, Nachbar Ebo (Leslie Odom Jr.). Zu dem wird sich eine Beziehung entwickeln; es muss ja nicht alles hoffnunglos sein. 

Ebo ist Boxlehrer, hat sich um Oma und Music gekümmert, jetzt erst recht nach dem Tod von Oma. Er ist auch stellenweise der Erklärer, auch von Music, von der Behandlung ihrer epileptischen Anfälle oder dass sie eben just eine geregelte Welt mit vertrauten Figuren brauche, Fixpunkte in einer an sich chaotischen Welt, wie sie auch in ihrem Kopf stattfindet. 

Dadurch taucht auch Zu wieder auf. Aber sie ist nicht auf Trauer disponiert. Sie sucht nach Geld in der Wohnung, findet Drogen. Die verhökert sie. Aber sie ist seit einiger Zeit trocken. Das ist so ein Stück Heilsgeschichte, was mit ihr passiert, sie biegt auf die Linie „wahren“ Glücks ein, sie sucht einen Job, was nicht leicht ist.

Immer wieder driftet der Film über die Fantasie von Music ins Musikvideocliphafte mit Tanzgruppen in Fantasiekostümen in bunten Fantasieräumen.

Die Musik selbst ist in der Nähe der leichten Muse anzusiedeln. Es ist eine bunt-diverse Welt, die vor unseren Augen ihre Auffassung von Glück aus den Körpern explodieren lässt nach dem Motto „Jeder Tag ist ein Ferientag“. 

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