The 800 (VoD)

Chinesischer Kriegsfilm,

industrieller Aufwandfilm von Hu Guan mit allem, was das heutige Kino an Effekten, Technik, Computeranimation hergibt, zweieinhalb Stunden lang, 20 Minuten Anspann bis zum Titel und doch so gemacht, dass ein gewisser Spaß am Filmischen erkennbar ist: wenn Leute angeschossen oder erschossen werden, so spritzt deutlich nachanimiertes Blut über die Leinwand als roter Effekt wie Sergej Eisenstein im Panzerkreuze Potemkin die Flagge der Aufständischen im Schwarz-Weiß-Film rot koloriert hat. 

Der Film wird erzählt als modernes Medienspektakel und beruft sich auf eine historische Begebenheit. 800 tapfere Soldaten, die Helden des Filmes, verteidigen 1937 in Shanghai eine Lagerhalle standhaft mehrere Tage lang gegen japanische Angriffe. 

Dieser reale Krieg wird vom gegenüberliegenden Ufer aus beobachtet, wo ein Leben herrscht, wie in den Roaring Twentieth in Berlin mit Varieté „Victory Bar“, dekadent bis dorthinaus, vor allem die Chefin, die ungerührt in ihrem Salon über dem Etablissement ihren weißen Pfau füttert, während nur wenig Hundert Meter entfernt in Sichtweite die Kriegsschlachterei vor sich geht, die Mann-zu-Mann-Kämpfe. 

Schnell sammeln sich die internationalen Medien in diesem mondänen Stadtteil und machen die überschaubare Kriegsbühne des Lagerhauses zum Spektakel. 

Eine Brücke verbindet die beiden Extreme, sie steht unter Dauerbeschuss von Heckenschützen, ist also nur unter höchster Lebensgefahr passierbar. 

Im Lagerhaus findet sich eine Mischung aus tapferen Soldaten und Deserteuren bis hin zu einer komischen Langhaarfigur, der noch nie geschossen haben will, während am anderen Ufer Tingeltangel und chinesische Folklore sich ausbreiten, chinesisches Theater, eine Sängerin singt Arien aus ihrem Fenster. 

Zum dramatischen Höhpunkt wird das patriotische Thema des Fahnenhissens nach drei Tagen. Wenn die Verteidiger und Kriegshelden jetzt die chinesische Fahne auf dem Lagerhaus hissen würden, dann wäre das eine Provokation für die Japaner und sie würden massiv angreifen; andererseits sollen die Chinesen Zeit schinden für Verhandlungen. 

In der kuriosen Mischung der Verteidiger in der Halle erwacht der Patriotismus und der Ehrgeiz, die eine entscheidende Schlacht zu schlagen, damit die Gräuel des Krieges beendet werden können; das ist immer die Philosophie. 

Die Japaner sind für die filmische Actionausbeute insofern nett, als sie mit ihren Flugzeug das Lagerhausdach nur beschießen statt eine Bombe zu werfen; aber die wäre auch zu gefährlich, wegen eines Tankes mit hochexplosivem Gas. Für den Film selber ist das auf jeden Fall detailergiebiger und schön symbolisch ist der Kampf um die Flagge. Diese Vorgänge werden auch aus der beschaulichen Ruhe eines Zeppelins beobachtet. 

Kämpfermotto: „Wenn ich zu Staub zerfalle, werdet Ihr mich lächeln sehen“. 

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