Herren (ARD, Mittwoch, 10. Februar 2021, 20.15 Uhr)

Schwarze Berliner.

Dieser Film von Dirk Kummer nach dem Drehbuch von Stefanie Kremser unter den Auspizien der Zwangsgebührentreuhänderinnen Claudia Simionescu (BR) und Monika Lobkowicz (BR/Arte) will zeigen, dass deutsche Bürger mit schwarzer Hautfarbe und Migrationshintergrund aus Kuba und Brasilien am deutschen Fernsehen ein genauso dröges Leben führen wie andere dröge deutsche Familien in anderen drögen deutschen TV-Filmen. 

Dem Zuschauer soll klumpfüßig erklärt werden, dass Schwarze ganz normale Menschen sind, was gleichzeitig schon wieder eine subtile Art von Rassismus ist, wenn man das Selbstverständliche so auswalzt und als nicht selbstverständlich darstellt. 

Dazu muss eine Geschichte möglichst realtitäsnah zurechtgebogen werden, dass es knirscht und knarzt und die Schauspieler nicht zu beneiden sind um die Dialoge, die sie zu sprechen und die Figuren, die sie zu spielen haben, wie es halt so ist bei Erfindungen, die sich für extrem originell halten. 

Die Kerntruppe sind drei „Denkmalschützer“, wie sie sich nennen. Auf den Denkmälern, die sie schützen, was nichts anderes bedeutet, als sie zu reinigen und sauber zu halten, steht immer groß „Herren“ drüber. Es sind dies historische, denkmalgeschützte Urinale, die es offenbar überall in Berlin gibt. 

Herzstück der Truppe ist Reynaldo (Komi Mizrajim Togbonou) mit dem breiten Grinsen. Sein Assistent ist Jason (Nyamandi Adrian). Zu ihnen stößt, weil er dringend einen Job braucht, Ezequiel (Tyron Ricketts), der so etwas wie die Hauptfigur im Film ist. Er hat eine Schule für den brasilianischen Kampfsport Capoeira aufgebaut. Aber als Nachfolger für den Chef wurde er ausgebootet. 

Unter Denkmalschutz hat Ezequiel sich etwas anderes vorgestellt. Er beugt sich des Geldes wegen den ausbeuterischen Bedingungen von Reynaldo. Ezequiels Frau Marta (Dalila Abdallah) arbeitet als Nachtschwester in einem Spital. Der gemeinsame Sohn Stevie (Pablo Grant) hat Abitur gemacht und soll, voll Klischee, nach Wunsch des Vaters studieren; Sohn möchte lieber eine Lehre machen. Dieser Konflikt wird ohne Fundament skizziert, weil es sich gut macht in so einem belehrenden und erklärenden Fernsehfilm. 

Es gibt viele Berliner Nachtaufnahmen, schöne historische Urinale, Zwischenfälle mit Schwulen und Rassisten, die Autorin arbeitet das Pflichtprogramm für einen Fernsehfilm ab, was weisungsgebundene Redakteurinnen absegnen müssen, weil es politisch so korrekt ist, dass es stiebt und staubt, im Sinne von „Wichtig ist, dass Du ’n neuen Job findest, sonst kommen wir nicht über die Runden“, das sind Banalsätze, die austauschbar und risikolos in jeden deutschen Themenfilm eingebaut werden können, ohne dass sich die Autoren tiefer mit ihren Figuren beschäftigen müssen, ohne zu befürchten, sich die Finger zu verbrennen. 

Unterlegt wird die fade Mampfe mit unerträglicher Glücksmusik, es sei ja alles so leicht und wenn die schlecht inszenierte Gruppenschlägerei ansteht, dann wird ein französisches Chanson drübergelegt. 

Vielleicht haben sich die Macher ja was gedacht dabei, konnten es aber nicht plausibel rüberbringen. Als lustig sein sollendes Etikett grinst zu Beginn ein schwarzer Gartenzwerg, womit die Macher uns wohl sagen wollen, auch Schwarze können kleine deutsche Spießer sein. 

Die Midlife-Crisis von Ezequiel sollte vielleicht das Thema sein: dann könnte es spannend werden. Vielleicht wäre ja ein tauglicher Film draus zu machen gewesen, wenn diese ernsthaft in den Mittelpunkt gestellt worden wäre. Aber dafür hätte sich die Autorin intensiv mit seinem Charakter und seiner Geschichte beschäftigen müssen, hätte plausibel erklären müssen, wieso er Capoeira-Meister ist, wieso er nach Deutschland gekommen ist, wieso etc. etc. und wie er aufgrund seines Charakters diese Krise löst und selbstverständlich, wie weit auch der Rassismus hineinspielt. Aber das wäre knüppelharte Arbeit und, es plausibel zu besetzen und zu inszenieren, ebenso; sehr wohl möglich, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht bereit ist, so viel Geld bloß wegen des alltäglichen Rassimus‘ in die Hand zu nehmen; so dass einem die Figuren nahe gehen würden.

Dieser Film ist eine gut gemeinte, aber vergebliche Bemühung in Toleranz und gegen Rassismus. Aber der Zuschauer möchte in einem Spielfilm nicht belehrt werden, was ihm hier passiert, sondern er möchte mitfühlen, was ihm hier vorenthalten wird. Insofern erfüllt der Film just das zentrale Anliegen des öffentlichen-rechtlichen Rundfunkes, ein Instrument der Demokratie zu sein, nicht und das Zwangsgebührengeld ist futsch. 

Rote Karte des Zwangsgebührengszahlers!

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