Corona-TV in Berliner Luft.
Krass ist die Diskrepanz zwischen den jugendlich frisch wirkenden Darstellern dieser Serie und den Protagonisten in den massiv störenden Werbefilmen dazwischen: dominiert von älteren Herren, die alle so tun, als seien sie noch 30 dank beworbener Mittelchen aus der Pharmaindustrie.
Die Werbefilme dürften einen Hinweis auf das Zielpublikum geben.
Positiv dissonant ist der Gegensatz zwischen dem Begriff der Berliner Luft, einer traditionell atmosphärischen Beschreibung der Stadt, und dem Thema dieser Fernsehserie: Wasserpolizei.
Das Wasser wirkt hier luftig und es gibt Anlass zu wundervollen Bildspielen, kinohaft.
Auch aus der Luft schmeicheln immer wieder Drohnenflüge der wie in sich ruhenden Stadt, wie überhaupt die Kamera (Sascha Ersfeld) geschmeidig und agil mit den Coronabedingungen umgeht.
Im Film selbst werden die Coronavorgaben eingebaut. Kommissar Fahri (Hassan Akkouch) darf die Eltern der Wasserleiche nicht umarmen, obwohl er deren ertrunkene Tochter gekannt hat.
Fahri will deshalb in den Fall nicht involviert werden, aber die Chefkommissarin (Sesede Terziyan) möchte ihn just aus dem Grund an ihrer Seite.
Berliner Atmosphäre durch und durch. Das Kanackendeutsch ist unumgänglich, der Integrationsjugendclub, in dem Breakdance geübt wird und der bald zum Zentrum der Nachforschungen avanciert, ebenso; günstigerweise am Wasser gelegen. Sympathiefigur im Rollstuhl, der Leiter des Clubs Tom (Moritz Leu).
Alles schön übersichtlich in dem Fall, den Andreas Dirr und Andreas Hug geschrieben haben. Auch wenn manche Erfindungen Erfindungen bleiben. Den Schauspielern schaut man gerne zu, sie sind bei Regisseurin Seyhan Derin in besten Händen. Der coronabedingte Abstand wirkt sich antörnend auf Sichtbarkeit und damit Perzeption aus – und die Luft, die sie um sich herum haben, das ist diese Berliner Luft.