Honest Thief (Stream)

In etwas hineingeraten.

Ein Liam Neeson Film, ein Boston-Film, ein Liebesfilm, ein Schmunzelfilm, ein Unterhaltungsfilm, ein Kinofilm, das sind bereits mehr Prädikate als es braucht, um einen Film in coronadröger Zeit attraktiv zu machen, vorerst für jede Menge Internetstreams. 

Ein Film wie gemacht, um das ugly Trump-Amerika hinter sich zu lassen und sich wieder einer differenzierteren, menschlichen Betrachtungsweise zuzuwenden: Menschen sind an sich nicht schlecht, schon gar nicht hassenswert (bis vielleicht auf einen richtig durchtriebenen Typen, aber auch der braucht das Ereignis, das ihn endgültig so werden lässt); aber sie geraten in Dinge hinein, die sie in Konflikte stürzen, das kann die Liebe sein, das kann die Verführung durch Geld sein, das kann ein Schicksalsschlag sein, wie bei Tom Dolan (Liam Neeson), der früher bei der Army beim Sprengkommando war und ohne es zu wollen in die „ehrliche“ Tresorräuberei hineingerät, wobei ihm sein Spezialwissen über das Bombenbasteln und Entschärfen zugute kommt. 

Tom will niemandem etwas zu leide tun, eine menschliche Schwäche, wenn man so will. Dann, das gehört zur Intro des Filmes in einer wunderbar von Drehbuchautor Steve Allrich und mit gutem Humor angereichert geschriebenen und von Mark Williams bestens konsumierbar inszenierten Szene lernt er Annie Wilkins (Kate Walsh spielt das fabelhaft patent) kennen. Sie studiert Psychologie und verdient ihr Geld als Storemanagerin von so einem Laden, der Lagerräume vermietet. 

Bei Annie gerät Tom ganz schnell in den Strudel der Liebe und möchte diese auch offen und ehrlich gestalten. Nach einem Jahr schon ziehen sie in eine eigene Wohnung. Aber Tom möchte, was der Zuschauer längst schon weiß, seiner Liebe die Wahrheit über seinen „Job“ eröffnen. Und wie Amerika jetzt hoffentlich ehrlich über die Trump-Zeit reden wollen wird, will Tom Annie alles sagen. 

Vorher will Tom mit einem Deal mit der Polizei reinen Tisch machen, das Risiko wohlkalkuliert, so wohlkalkuliert wie der Film, in Grenzen haltend. Das ist der Moment, in welchem John Nivens (Jai Cortney) mit seinem süßen, ehrlichen Kollegen Ramon Hall (Anthony Ramos) ins Spiel kommt und die beiden in den Anblick von viel, viel nicht quittiertem, nicht belegtem Geld geraten und somit in den Strudel des Traumes vom traumhaften Leben, von abbezahlten Hypotheken, vom schönen Haus. Dem zu widerstehen einem kleinen Detektiv nicht leicht fällt. 

Das dramatisiert die Handlung Schritt für Schritt, wobei immer wieder mit Leichtigkeit eingeschobene Actionsszenen abfallen, was die Geschichte in die Höhe schraubt. Trotzdem bleibt Zeit für ernsthafter Überlegungen zum Thema Liebe, Ehrlichkeit. 

Und wenn Boston auch nicht als Ort der Sehenswürdigkeiten attraktiv gemacht wird, so doch mehr durch den Geist, der hier herrscht, Ostküstengeist, der versucht, sich von Klischeedenken abzugrenzen; was den Spielraum für Schmunzler freischaufelt; gerade weil andersrum die FBI-Leute einen heiligen Ernst an den Tag legen, auch bedingt durch die Typenwahl. Wodurch eine schöne Differenz zum einerseits abgeklärten und doch menschlich anrührenden Protagonisten entsteht, der zu verstehen gibt, dass er den Actionhelden hinter sich gelassen hat, aber wenn es denn sein muss, quasi aus dem Knie heraus, immer noch einsetzen kann. Wenn Annie Tom beim Basteln einer Bombe zuschaut und sagt: „Ich habe Dir noch nie bei der Arbeit zugeschaut“, so ist das so ein Satz, der die lakonisch Balance zwischen Ironie und Agentenernst hält. 

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