Vento Seco (VoD und DVD)

Sandro Karnas 

(Leandro Faria Lelo) ist Arbeiter in einer Düngemittelfabrik irgendwo in brasilianischem Niemandsland. Er ist schwul, aber nicht geoutet, entspricht nicht den queeren Schönheitsidealen, keineswegs, er ist schon etwas älter, rundlich, alles andere als markant; aber Männer ziehen seine Augen magisch an; er führt ein verborgenes Schwulenleben, unauffällig. 

Der Film von Daniel Nolasco zeigt im Schwimmbad gleich, was sein Thema ist, was ihn fasziniert. Aber er organisiert es nicht als Film für Voyeure, sondern als Themenfilm in Form eines Porträts von Sandro. 

Nolasco beschreibt Sandros profanes, glanzloses Arbeiterleben. Die Fabrik an einer Autobahnausfahrt mit einem Kreisel vorm Parkplatz. Viele Szenen spielen dort, symbolisieren den ewigen Kreislauf der Routine, zur Arbeit kommen, dann wieder wegfahren. Das thematisitert die Kollegin Paula (Renata Carvalho) in einem Gespräch mit Sandro. 

Paula ist gewerkschaftlich engagiert, versucht die Arbeitskollegen zu aktivieren gegen die miesen Arbeitsbedingungen. Sie platzt immer wieder in Sandros Abschweifungen und Träumereien, stört die Augenkreise seiner ungestillten Sehnsucht. In diesem Suchen erzeugt Sandro Empathie. 

Die Eingangsszene spielt in einem Schwimmbad; die Kamera weiß, wohin sie sich zu fokussieren hat; ein beengter Horizont, sicher, aber auch ein eindeutiger; es sind die Blicke von Sandro, besonders, wenn es nach dem Schwimmen mit lauter nackten Männern unter die Dusche geht. 

Sandros Leben wird als zwiegespalten geschildert. Es ist das Arbeiterleben, das sind Gespräche mit Kollegen, die Fahrt zum Job, das Parken des Autos aber auch Einkaufen; gerade hier kommt es immer wieder zu Begegnungen. 

Real dürften auch die diskreten Treffen mit Kollegen Ricardo (Allan Jacinto Santana) sein; es sind dies Verabredungen in einem Eukalyptus-Wald; heiße Sextreffen und ungehemmt. 

Es gibt aber auch die Traumwelt von Sandro; die ist erotisch sowohl in der filmischen Farbgebung der eindeutigen Schwulen-Szenerie und dazu musikalisch aufgepumpt; es sind die Bilder von Sado-Maso-Welten, Lack, Leder, Stiefel, Leine. Hier wird der Film hard-core, weshalb er als „nicht jugendfrei“ prädiziert ist. 

Nolasco beschreibt recht realistisch diese Gay-Zwischenwelt, die immer auch im Arbeitsalltag, zu dem ebenso eine Geburtstagsparty oder der Ausflug zu einem Festival gehören, aufblitzt, präsent ist und sich kaum zurückhalten kann. Und, bei aller Losheit der Beziehung zu Ricardo, ist Eifersucht nicht weit, Beziehungsclinch in der Nichtbeziehung – und dauernd ungestilltes Sehnen.

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