Tatort: Animals (1991) (BR, Dienstag, 29. Dezember 2020, 20.15 Uhr)

Zwei Barockengel.

Eigentlich wollten die Macher dieses Tatortes, Max Ziehlmann und Veith von Fürstenberg als Autoren und Walter Bannert als Regisseur, das Frauenbild der 90er Jahre entwerfen, wie es im Text einmal heißt, wobei just dieses Frauenbild ziemlich hollywoodlike altbacken wirkt. 

Sicher nicht erwartet hätte der BR, dass er mit dieser Kommissarspaarung einen Dauerbrenner über 30 Jahre schaffen würde, ein schwer wegdenkbares Möbelstück aus der Serie, wobei … würden wir sie wirklich vermissen?

Gedreht wurde schon 1990, wie im Abspann zu lesen ist. Waren das noch Zeiten mit D-Mark, Monstren von Computern, immerhin schon bei der Polizei eingesetzt, es gab noch Schrottautos, auf die man auch mal stieg, um in fremdes Terrain (ein Tierversuchslabor) einzusteigen, andererseits war das Product-Placement für den BMW des Dienstwagens perfekt und offenbar für niemand ein Thema. 

Waren das noch Zeiten mit Kommissaren mit barocken Lockenköpfen und in wehenden Anzügen. Sie straucheln, purzeln schier, einen Abhang runter, werfen sich Autoschlüssel zu, naschen in fremden Pralinen-Tellern, ja sie offerieren einem alkoholabhängigen Untersuchungsgefangenen Schnaps, verhelfen einem Delinquenten zu einem Schuss oder der Porsche des Kommissars muss angeschoben werden. 

Fotos von Kontaktbögen werden bei Rotlicht im Labor entwickelt. Es scheint, dass man hier noch viel sorgloser Tatorte produziert hat, dass man noch nicht unter diesem Konkurrenzdruck von Dutzenden Mitbewerbern stand, dass der Spaß am Filmischen wichtiger war, siehe die Countdown-Szene auf dem Lande, als dass zu viel skrupulöser Wert auf Recherche und Genauigkeit gelegt wurde, die meist zu Lasten des Sehvergnügens gehen. 

Und keck engagiert ist der Film im Sinne der Tiervesuchsgegner, in dessen Milieu er spielt, mit Doku-Aufnahmen von gequälten Tieren. Damit dürfte der Tatort damals bestimmt Furore gemacht haben. Harte Kost. 

Unbefangen, sorglos; heute muss alles abgesichert werden. Zwischendrin gibt’s rein symbolhaft ein paar halbierte Orangen und ein Metzgermesser dazwischen. 

Das heimliche Traumidol der Kommiassare ist das Aquarium, auf dem steht ‚Adria‘. 

Merkwürdige Chemie zwischen diesen beiden Kommissaren, von Anfang an, hier zeigen beide noch mit demonstrativer Spelastik, dass sie spielen, inzwischen schieben sie ihren Dienst, wobei Batic das Bedürfnis nach emotionalen Ausbrüchen nach wie vor nicht unterdrücken kann; irgendwie wiegt Leitmayr dessen Dominanzgebaren auf, gleicht es aus, fängt es auf wie die schluckende Ehefrau. Es scheint auch heute noch nicht so, dass die beiden dickste Freunde sein könnten; andererseits bilden sie ein schönes Beispiel für Verträglichkeit, was sich zwischenheitlich in einem harmonischen, sich wie von selbst entwickelt habenden Pas-de-Deux ausdrückte. 

Signifikant für das Kommissarenpaar, dass ich mir persönlich partout die Namen nicht merken kann, und zwar sowohl Gesicht zu Namen, als auch Namen zu Rollennamen, das muss ich mir jedes Mal neu zurechtlegen. Vielleicht liegt in dieser merkwürdigen Nichtprägnanz eines der ganz großen Geheimnisse dieses Erfolgs-Casts. 

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